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Einsatzhafen Kohlenbissen

Geschrieben von: Michael Grube   

Im Jahre 1937 wurde bei Kohlenbissen, einer winzigen Siedlung ganz in der Nähe von Munster in der Lüneburger Heide, ein Einsatzhafen eingerichtet. Zunächst wurde die Heidefläche gerodet, mit Erde eingeebnet und mit Gras bepflanzt. Am Bau beteiligt war u.a. die Luftwaffenbaukompanie 59/XI. Es sollte aber doch bis 1941 dauern, bis der Platz und die dazugehörigen Gebäude bezogen werden konnten, erst im Sommer 1942 wurde er das erste Mal angeflogen. Damals war der Platz von militärischen Einrichtungen nur so umringt. Die Kampfstoff-Fabriken im Nordosten, Munsterlager im Osten, Truppenübungsplätze im Norden und Süden, Die Luftmunitionsanstalt Oerrel im Südwesten und die Munitionsanstalt Dethlingen im Südosten. Eigentlich erstaunt diese Tatsache, da sie ja die gesamte Gegend als Angriffsziel wesentlich attraktiver machte und die Erfolgschanchen eines Angriffs deutlich steigerte. 


Bis 1944 wurde der Flugplatz hauptsächlich als Schulflugplatz benutzt, erst danach wurden zwei Kampfgeschwader auf dem Platz stationiert. Ab September '43 wurden Piloten von der Ju-87 auf die FW-190 umgeschult, von beiden Maschinentypen waren damals je zwanzig auf dem Platz, dazu noch einige He-177.

Ehemaliges Stabsgebäude 


Von diesem Platz aus erfolgten auch die Versuche mit Kampfstoffbomben und -Sprühgeräten auf der E-Stelle Raubkammer (siehe Heeresversuchsstelle Munster-Nord). Zu diesem Zweck gab es auf dem Flugplatz eigens einen unterirdischen Kampfstofftank.

Am 7. April 1945 wurde der Platz von 93 Bombern vom Typ B-17 der 8th US Air Force bombardiert und von den 3.485 abgeworfenen 150-Pfund-Bomben praktisch vollständig zerstört. Diese Bomben fielen in der Zeit von 15:19 Uhr bis 15:30 Uhr, also in gerade mal elf Minuten.

KantineSanitätsbunker

Mehrere der vierundvierzig zu dieser Zeit auf dem Platz anwesenden Flugzeuge wurden zerstört, einige Baracken und Gebäude erhielten Volltreffer, die Start- und Landebahn war mit Kratern übersät. Leider kamen auch Menschen ums Leben, bekannt sind mindestens drei Todesopfer.

Nach dem Krieg wurde das Barackenlager zunächst zur Unterbringung von Displaced Persons und Flüchtlingen genutzt. Im Nordteil des Geländes entstand ein behelsmäßiger Flugplatz des britischen Militärs, direkt südlich von diesem ein Polofeld. Viele der Bombentrichter wurden mit Schutt und Restmunition verfüllt. 1948 wurde das restliche Gelände eingeebnet und in den Folgejahren militärisch genutzt - u.a. wurden hier auch Kampfstoff-Versuche der Alliierten durchgeführt. In den sechziger und siebziger Jahren und nochmals Mitte der Neunziger wurden die Altlasten teilweise geräumt.

Ansichtskarte

Heute befindet sich am nördlichen Rand der Golfplatz Munster, im Süden einige Privathäuser. Der Grossteil wird als Übungsplatz von der Bundeswehr genutzt. Der ehemalige Hof des damaligen Platzlandwirts diente viele Jahre der Standortverwaltung als Lager, heute wird auch er privat bewohnt.

Nur wenige Gebäude aus der Zeit als Einsatzhafen sind noch erhalten, bei den meisten handelt es sich um Neu- oder Umbauten, teilweise wohl aus den Trümmern aufgebaut. Auch der abgebildete Kommando- und Sanitätsbunker wurde Anfang 2002 verfüllt.

Quellen (Auszug):
- 100 Jahre Soldaten in Munster, Stadt Munster
- Fliegerhorste und Einsatzhäfen der Luftwaffe, Karl Ries/Wolfgang Dietrich
- Archiv des WIS, Munster
- Unterlagen des NLÖ
- COMBAT CHRONOLOGY OF THE US ARMY AIR FORCES
- Der Fliegerhorst Kohlenbissen als Beispiel einer potentiellen Rüstungsaltlast, Jörg Reichling
- Public Record Office Bestände AIR 26/505, AIR 40/838
- Archiv T.Wolf, Stedden
- http://www.ww2.dk
- versch. Zeitzeugenaussagen
- eigene Recherche

 
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