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Flugplätze im Raum Celle

Geschrieben von: M.Klages & M.Grube   

Der Flugplatz Celle-Scheuen

Fliegerische Aktivitäten im Raum Celle gab es schon seit Anfang des 20.Jahrhunderts. In einer zeitgenössischen Anzeige der hiesigen Zeitung an einem Tag des Jahres 1910 wurde die Celler Bevölkerung aufgerufen, zur Scheuener Heide zu wandern, um dort den Flugversuchen eines Herrn Schlüter mit seinem Flugapparat beizuwohnen. Somit kann man zu Recht behaupten, daß in Scheuen das erste Fluggelände im Umkreis um Celle vorhanden war.

 

Zu größerer Bedeutung kam dieses Gelände in Scheuen erst wieder ab Dezember 1916, als die Kaiserliche Werft in Wilhelmshaven auf der Suche nach einem geeigneten Platz zur Errichtung eines "Marine-Landflugplatzes" war und in Scheuen fündig wurde. Im Jahre 1917 wurde durch Anordnung der Reichsmarine mit dem Bau dieses Flugplatzes begonnen, allerdings konnte erst am 03.10.1918 der Flugbetrieb aufgenommen werden. So ergab sich die Situation, daß man in der südlichen Lüneburger Heide und in Celle durchaus Marinesoldaten in ihren Matrosenuniformen antreffen konnte. In seiner Funktion als Zwischenlandeplatz von und zu den Marinestützpunkten Wilhelmshaven und Kiel herrschte hier trotz der kurzen Zeit bis zum nahenden Kriegsende reger Flugbetrieb. Durch Gespräche mit den Piloten waren die hier stationierten Soldaten immer sehr gut über die allgemeine Kriegsentwicklung und die Situation im Lande informiert, was letztlich darin endete, daß Anfang November 1918 sich die Kunde von den Matrosenaufständen in Kiel und Wilhelmshaven auch hier verbreitete. Am 07. November 1918 kam es, von Scheuen ausgehend, auch im Raum Celle unter anderem durch Tagung des "Soldatenrates" zum Matrosenaufstand. Nach der Kapitulation des Deutschen Reiches verlor auch der Platz Scheuen seine Bedeutung und wurde im Juni 1919 aufgehoben.

Hangar und Baracken aus dem 1.Weltkrieg

Nachweislich geflogen wurde auf dem Scheuener Gelände wieder in den zwanziger Jahren des 20.Jahrhundert. So wird von einem Flugtag am 21.03.1926 berichtet an dem unter anderem ein Junkers-Eindecker beteiligt war. Zu weiterer Bedeutung kam das Fluggelände in den dreißiger Jahren in seiner Funktion als Arbeits- und Außenlandeplatz des neu errichteten Fliegerhorstes Celle-Wietzenbruch. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Aufhebung des allgemeinen Flugverbotes in Deutschland bezogen zivile und somit friedliche Nutzer das Fluggelände in Scheuen.

Der Feldflugplatz Hustedt-Waldkater

1935 wurde nördlich von Celle, ganz in der Nähe des Örtchens Hustedt, mit dem Bau eines Feldflugplatzes begonnen. Während des Krieges waren hier unter anderem Einheiten des Jagdgeschwaders 26 stationiert. Der Platz, der lediglich über eine Graspiste verfügte, wurde zwischen 1943 und Kriegsende mehrfach von Jagdbombern der Alliierten angegriffen, zu größeren Schäden kam es aber wohl nicht.

Anfang 1945 wurde ein Teil der Baracken kurzzeitig zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt, allerdings meist nur als Durchgangs-Unterkunft. Am 13. April 1945 erreichten schließlich die britischen Truppen den Flugplatz. In den Folgemonaten wurden die meisten Anlagen beseitigt, am und auf dem Flugfeld wurde Munition gesprengt und auch vergraben.

Baracke aus der Zeit des Flugplatzes

Im November 1945 brachten die Alliierten deutsche Kriegsgefangene auf dem Gelände unter - zeitweise bis zu 1.400 Personen. Ab 1948 wohnten dann deutsche GCLO-Männer in den Baracken am Flugfeld. Das ab 1950 dann endgültig als Wohnsiedlung benutzte Lager bekam den Namen "Waldkater", benannt nach einer nahegelegenen Gaststätte. Noch bis 1953 lagerten die Briten große Mengen Treibstoff auf dem Gelände.


Das Flugfeld heuteLöschwasserzisterne

Erst 1989 wurde mit der Räumung des Flugfelds und der angrenzenden Wälder begonnen. Diese ist bis heute nicht abgeschlossen, viele Bereiche sind noch immer munitionsverseucht und ein Betreten lebensgefährlich.

Geflogen wird hier heute auch wieder - allerdings etwas bescheidener. Die Flugsportvereinigung Celle hat einen kleinen Teil des Geländes zum Modellflugplatz umgestaltet.

Der Fliegerhorst Celle-Wietzenbruch

Im Rahmen der allgemeinen Aufrüstung Anfang der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde in Deutschland auch an der Errichtung einer großen Anzahl von Flugplätzen (Fliegerhorste) gearbeitet. Dieses geschah zu jener Zeit aus bekannten Gründen noch im Geheimen.

Einer dieser Plätze sollte auch in Celle errichtet werden. Nach entsprechenden Sondierungsarbeiten entschied man sich für ein Gelände bei Wietzenbruch. Im Frühjahr 1933 wurde mit dem Bau des Fliegerhorstes begonnen. Aus Tarnungsgründen hieß das Bauvorhaben (wie zu der Zeit überall in Deutschland): "Errichtung eines Flugplatzes des Deutschen Luftsportverein (D.L.V.)". Sehr intensive Erdarbeiten waren nötig, um aus dem vorhandenen moorigen Gelände einen brauchbaren Flugplatz zu errichten. Trotzdem entstand hier sehr schnell die komplette Infrastruktur zur Bildung einer Flugschule (A-Schule) mit zunächst 60 geplanten Flugzeugen.

Kuftbild von 1935

Als Kuriosum sei erwähnt, daß das Flugfeld aufgrund seines o.g moorigen Untergrundes bei Starts und Landungen unter den Flugzeugen federte, so daß es im Sprachgebrauch den Beinamen "Gummiwiese" erhielt.

Bis Ende 1934 entstanden hier vier große Flugzeughallen und später ein weiterer Gebäudekomplex einschließlich der Halle 5, die bis Ende 1935 errichtet wurde. Mit dem Flugbetrieb wurde bereits Anfang 1934 begonnen. Erster Horstkommandant in Celle war der spätere General von Döring, hier stationiert als Führer einer Aufklärungseinheit.

Im weiteren Verlauf des Jahres 1934 bezog dann die Fliegerschule den Platz. In dieser Funktion als A-Schule (Flugzeuge einmotorig bis max. 2.000kg) wurde überwiegend mit Heinkel He-45 und He-46 geflogen. Weitere Einsatztypen in diesen Anfangsjahren waren: He-72 "Kadett" und Focke Wulf Fw-44 "Stieglitz". Stationiert auf dem Platz waren zu dieser Zeit ca. 25 Fluglehrer mit etwa 100 Flugschülern sowie das technische und logistische Fliegerhorstpersonal.

Im Jahr 1936 wurde die B-Schule eingerichtet (Flugzeuge einmotorig über 2.000kg). Geflogen wurde zunächst mit Focke Wulf Fw-56 "Stösser", später auch mit Arado Ar-96 sowie Junkers W33 und W34. Kommandeur dieser Schule war bis Ende 1936 Major Schwarzkopf. Dieser fiel später im Krieg als Oberst und Führer eines Sturzkampfgeschwaders. Nachfolger wurde Major Hans Klein.

Schulflugzeuge vor Halle 1

Als letzte bauliche Maßnahme wurde im November 1936 ein neues Peilhaus errichtet, um den wachsenden Anforderungen des Schulbetriebes gerecht zu werden. Aus dem gleichen Grunde wurden auch die Arbeits- bzw. Außenplätze Celle-Scheuen (siehe oben) und Celle-Hustedt eingerichtet. Noch im Jahr 1936 lief, parallel zur B-Schule, eine Ausbildung zum Blindflug an. Es zeigte sich jedoch sehr schnell, daß der Platz für beides nicht ausreichte, so daß die Blindflugschule 1937 auf den neu errichteten Fliegerhorst Wesendorf verlegt wurde.

Die Fliegerschule in Wietzenbruch wurde unterdessen von der B-Schule zur "FFS-C"/Flugzeugführerschule-C. (C-Schule = Flugzeuge über 2.500 kg, ein- oder mehrmotorig). Es wurde somit auf den seinerzeit schwersten Flugzeugmustern ausgebildet: Ju-52, Do-17, Ju-86 und He-111.

Heinkel He-111 in Celle

Der Schulbetrieb wurde bis in den Spätsommer 1939 aufrecht erhalten. Im September 1939 verlegte die C-Schule nach Leipzig-Mockau und von dort im Okt./Nov.39 nach Finsterwalde-Niederlausitz.

Mit Beginn des Krieges und in dessen weiterem Verlauf waren fliegende Verbände hier nur kurzzeitig stationiert. So belegte z.B. im Winter 1939/40 das Stuka-Geschwader 77 den Platz. Einige weitere Einheiten verlegten vorübergehend zur "Auffrischung" hierher.

Im den letzten Jahren des 2. Weltkrieges diente der Platz auch den Jagdfliegern der Reichsverteidigung als Zwischenlandeplatz zum Auftanken und Aufmunitionieren. So zum Beispiel auch während der letzten großen Luftschlacht des 2.WK am 07.04.1945 im Raum um Hannover (Einsatz des berüchtigten Sonderkommando Elbe). Die letzte fliegende Einheit, die während des Krieges fest auf dem Fliegerhorst stationiert wurde, war die FFS A/B 6. Diese kam im Januar 1945 von Danzig hierher und belegte den Platz bis kurz vor Kriegsende.

Die Anlagen und Gebäude des Fliegerhorstes haben die Kriegszeit relativ unbeschadet überstanden. Der alliierten Luftaufklärung war die untergeordnete Bedeutung des Platzes wohl bekannt. Das ist wahrscheinlich der Grund dafür, weshalb der Platz nie ernsthaft bombardiert wurde - obwohl gegen Ende des Krieges in einer der Hallen Junkers Ju-88 Baugruppen montiert wurden. Dennoch berichten Zeitzeugen von einzelnen kleinen Zwischenfällen, so z.B. im Jahr 1944 , als ein einzelnes amerikanisches Jagdflugzeug sich die Halle 5 als Ziel aussuchte und solange mit Bordwaffen angriff, bis sich die Platzflak auf ihn eingestellt hatte und den Piloten zum Aussteigen zwang. Von weiteren Tieffliegerangriffen im Zeitraum Januar bis April 1945 wurde berichtet, so auch am 08.04.1945 im Verlauf des schweren Bombenangriff auf den Güterbahnhof Celle. Während das Gebiet und Umfeld des Bahngeländes schwer getroffen wurde und sehr viele Todesopfer zu beklagen waren, gab es auf dem Fliegerhorst kaum Verluste.

Für die Stadt Celle und den Fliegerhorst in Wietzenbruch war mit der kampflosen Besetzung durch englische Streitkräfte am 11.04.1945 der Krieg zu Ende.

Nachkriegszeit

Die Royal Air Force (RAF), als neuer Benutzer des Platzes, begann zügig mit dessen Ausbau. So wurden unter anderem auf dem Roll- und Startbereich Lochplatten verlegt und die Startbahn um 300m verlängert. Ab 1946 war hier die RAF mit der 84.Gruppe/34.Wing stationiert. Einsatzflugzeug zu dieser Zeit war die "Spitfire". Aber bereits 1947 nahm der Flugbetrieb und damit die Nutzung als Fliegerhorst rapide ab.

Dies sollte sich 1948, zu Beginn der Luftbrücke nach Berlin, schlagartig ändern. In deren Verlauf zeigte sich sehr schnell, daß mit den bereits eingerichteten und vorhandenen Kapazitäten eine Großstadt wie Berlin auf Dauer nicht zu versorgen war. Fieberhaft suchten die Alliierten nach einem weiteren brauchbaren Flugplatz und fanden diesen u.a. in Celle- Wietzenbruch. Sein großer Vorteil, die relative Nähe zu Berlin, erlaubte eine hohe Taktfrequenz an Versorgungsflügen. Celle wurde neben Fassberg und Wunstorf dritter Einsatzflugplatz in dieser Region.

C-54 Skymaster in Celle

Zu dieser Zeit wurde auch die erste befestigte Startbahn angelegt, um die schweren Transportflugzeuge aufnehmen zu können. Für die Zeit der Luftbrücke ergab sich folgende Situation: Den Engländern oblag die Organisation am Boden. Geflogen wurde nur von den Amerikanern, die hier ihre 4-motorigen
Transportflugzeuge vom Typ "Douglas C54 Skymaster " stationierten und im Tag- und Nachtbetrieb mit ungeheurer Präzision die Versorgungsflüge nach Berlin durchführten. Erwähnt sei in diesem Zusammenhang aber auch der Einsatz der deutschen Zivilkräfte (GCLO/GSO), die mit ihrem sehr großen Einsatz zum Gelingen der Berliner Luftbrücke beitrugen.

Als nach Beendigung der Versorgungsflüge die Amerikaner den Platz endgültig am 12.05.1949 verließen, waren die Engländer wieder die Hausherren in Wietzenbruch. Jetzt brach auch in Celle das Jet-Zeitalter an, denn die RAF stationierte die Düsenjagdflugzeuge Gloster Meteor, Vampire und Venom auf dem Platz.

Flugplatz Celle-WietzenbruchFlugplatz Celle-WietzenbruchFlugplatz Celle-Wietzenbruch

Wieder unter deutscher Nutzung

Nach Aufstellung der Bundeswehr im Jahr 1956 wurde auch der Fliegerhorst Celle-Wietztenbruch wieder an die deutschen Streitkräfte übergeben. Als erste deutsche Soldaten nach dem Krieg kam ein Vorkommando der Heeresflieger unter Führung von Hauptmann Wulff am 15.09.1957auf den Platz. Am 29.11.1957 wurde dann im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung der Flugplatz offiziell von der Royal Air Force an die Bundeswehr übergeben. Erster Fliegerhorstkommandant war Oberstleutnant Nolte.

Das Vorfeld heute

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Stationiert waren hier zu dieser Zeit die Heeresflieger Beobachtungs- und Verbindungsstaffeln 813 und 814, ausgerüstet mit Dornier Do 27 und ab Sommer 1958 zur Erprobung die Hubschrauber Sanders-Roe "Skeeteer" und die Heeresfliegertransportstaffel 823 , ausgerüstet mit dem Transporthubschrauber Sikorsky H34.

Im Januar 1959 begann ein Vorauskommando mit der Verlegung des Lufttransportgeschwader LTG 63 der Luftwaffe von Memmingen nach Celle. Indienststellung war am 15.12.1961 mit dem Einsatzmuster "Noratlas". Wietzenbruch wurde so zum einzigen Fliegerhorst, auf dem gleichzeitig Heeresflieger und Luftwaffe stationiert waren. Das Gastspiel des LTG 63 dauerte allerdings nur bis September 1967 - es verlegte dann zu seinem endgültigen Standort Rendsburg-Hohn.

Seitdem sind die Heeresflieger die alleinigen Nutzer auf dem Fliegerhorst Celle-Wietzenbruch. Hausherr ist seit dem 02.04.1979 das Heeresfliegerregiment 16, ausgerüstet mit dem Hubschrauber Bo 105 P in der Funktion als Panzerjäger zur Heeresunterstützung. Im Rahmen der aktuellen Umstrukturierung der Bundeswehr sind aber auch die Tage dieses Verbandes gezählt. Das Heeresfliegerregiment 16 wird Anfang 2003 aufgelöst und durch das in diesem Zeitraum neu aufgestellte Ausbildungszentrum C der Heeresfliegerwaffenschule Bückeburg ersetzt. Dessen Aufgabe wird hauptsächlich die Ausbildung von Hubschrauberpiloten sein. Geflogen wird dann mit der unbewaffneten Version der BO 105 sowie mit der Bell - UH 1 D.

Quellen (Auszug):
- Fliegerhorste und Einsatzhäfen der Luftwaffe, Karl Ries/Wolfgang Dietrich
- Celle 45, Bomann-Museum
- Unterlagen des Nieders. Landesamtes für Ökologie
- Archiv T.Wolf, Stedden
- http://www.ww2.dk
- Vorläufige Aufstellung der Arbeitskommandos des Stalag XC Nienburg, Hans-Jürgen Sonnenberg

Für die geleistete Unterstützung bedanke ich mich beim Team des Stadtarchivs Celle und dem Heeresfliegerregiment 16. Celle. Weiterer Dank gilt William Hanson, 601st AC&W Squadron, für die Überlassung einiger Bilder aus der Nachkriegszeit.

 
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