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Seeflugstation Borkum

Geschrieben von: Volker Apfeld   

Friedrichshafen FF 33 hBorkum ist mit rd. 30,7 km² die größte der sieben Ostfriesischen Urlaubsinseln. Die Einwohnerzahl beträgt rd. 5.300 Einwohner. In der Hauptsaison kommen ca. 18.000 Gäste hinzu. Was der Besucher heute nur noch an wenigen Stellen sehen kann: Borkum war einst eine waffenstarrende Festung im Meer. Neben diversen Bunker- und Artilleriestellungen - die schwersten mit einem Kaliber von 28 cm - waren am nordwestlichsten Außenposten Deutschlands in beiden Weltkriegen auch Seeflieger und bis 1996 die Bundesmarine stationiert.

Die Marineflugstation

Die erste Marineflugstation befand sich im Sommer 1914 am Borkumer Südstrand. Am 13. August landete eine F 28 auf Borkum. Am selben Tag wurde die Flugstation mit einem „Flugaggregat“ klar gemacht. Ab Ende August flogen drei Flugzeuge der Küstenmehrzweckstaffel 3/106 täglich ab Borkum Aufklärungsflüge bis 40sm vor die Küste. Am 2. September wurde das erste Flugzeug von zwei Zerstörern 10sm vor Terschelling abgeschossen. Trotz Warnungen der einheimischen Bevölkerung errichteten die Pioniere ihre Anlagen direkt vor den Dünen. Und so kam, was kommen musste: Am 17./18.09.1914 zerstörte eine Sturmflut den Flugzeugschuppen vor der Strandbatterie und die beiden darin befindlichen Flugzeuge. Daraufhin wurde auf der Reede eine Katapultanlage installiert.

Südstrand: Albatros W ISeeflugstation 1918Am Flugzeugkran 

In den folgenden Jahren wurden mehrere Hallen für Flugzeuge und ein 10.000l-Benzintank errichtet. Vom 23. September 1914 bis 1919 lag das Flugzeugmutterschiff „Santa Elena“ vor Borkum stationiert. Im Dezember 1914 waren 29 Soldaten und 88 Zivilisten bei der Marinefliegerstation eingesetzt.

Am 18.02.1917 vermerkte das Kriegstagebuch: „Durchschnittszahl der frontklaren Flugzeuge 18,3. Die Gesamtzahl der Aufklärungsstunden 2 Std. 50 Min.“ Bis April 1917 wurde dann die Zahl der Aufklärungsstunden auf 108,2 Std. erhöht bei 21,8 Flugzeugen.

Wiederaufrüstung

1935/36 wurde das Gelände des Neuen Hafens für den Seefliegerhorst aufgespült. In die Umfassungsmauern wurden 1,5 Millionen Kubikmeter Sand aus dem Wattenmeer mit Saugbaggern hinein gepumpt. Es wurde eine Barackenstadt für 2.000 Arbeiter errichtet. Die Arbeiter kamen überwiegend aus dem Raum Ostfriesland. Die Baracken standen in dem ehemaligen Bereich der Seemannschaftslehrgruppe (später Nordteil der Bundeswehr). Zwei mächtige Flugzeughallen, in denen je zwölf Flugzeuge Platz hatten, wurden errichtet. An der Kaimauer vor dem Randzel stand ein Kran, der die Wasserflugzeuge mit laufendem Motor zu Wasser ließ bzw. nach der Wasserlandung wieder an Land hievte. Die Start- und Landebahn war im Borkumer Wattfahrwasser Richtung Emsmündung mit Tonnen gekennzeichnet.

Seeflugstation Borkum

1938 war Richtfest für die ganze Anlage. Es waren 2.500 Personen in der Werfthalle versammelt. 90 Hektoliter Bier wurden ausgeschenkt und aus fünf Gulaschkanonen wurde Labskaus verteilt. 1938 legte man den Grundstein zum Bau des Neuen Hafens. Dieser war zunächst als U-Boothafen gedacht, wurde aber hauptsächlich von Minensuchern und Vorpostenbooten benutzt. Nach Beendigung der Hauptbauarbeiten wurde die Barackenstadt wieder abgerissen.

Seeflugstation BorkumSeeflugstation BorkumSeeflugstation BorkumSeeflugstation Borkum 

Der Eintrag des Kriegstagebuchs für den 28.11.1939: „16.30 Uhr Angriff von acht Bristol Blenheim auf Fliegerhorst mit MG. Anflug im Tiefflug im Verband über Westerems von NW nach SO. Unmittelbar vor dem Horst Hochziehen der Maschinen auf 30-50 m und Beschuss der Hallen und davor stehenden Flugzeugen mit MG. Zwei Flugzeuge, Büroräume und Baracken erhalten etwa 100 Treffer. Zwei Arbeiter werden verletzt. Gegenwehr durch zwei eigene 3,7 cm und MG 15. Beim Abflug über die Westerems beschossen die Flugzeuge die auf der Ems vor Anker liegenden Dampfer Rheinland und Rolshoven“.

Am 6./7.12.39 warfen Seeflugzeuge der 3./K.Fl.Gr 106 in der Humber- und Themsemündung sowie in den Downs 27 Minen. Zwei Maschinen kehrten vom Feindflug nicht zurück. Die "T" (Flugzeugkennung) war notgelandet und wurde durch das Flugsicherungsschiff Rolshoven geborgen. Die "O" war im Muschelfeld am Nordstrand von Borkum zertrümmert gefunden worden. Von der Besatzung fehlte jede Spur. Am 12.12.1939 gab es erneut einen Fliegerangriff mit Bombenabwurf 100m westlich der Betonstraße in Reihe von NW nach SO in Watt und Neuen Hafen. Am 14.12.1939 wieder ein Angriff einer Bristol Blenheim auf den Kran. Abgeschlagen durch zehn MG C 30 und drei 3,7 cm Kanonen des Horstes.

Da die Vereisung seit dem 17.12.39 beängstigend zunahm, konnte keine einzige Maschine im Bereich des FdL (Führer der Luftflotte) West starten. Dieser Zustand hielt bis zum 06.03.1940 an.
Am 06.03.1940 traf das erste Schulflugzeug, eine Heinkel He 115 in Borkum ein. Die Fliegergruppe sollte auf diese Maschinen umgerüstet werden.

Am 01. Mai 1941 befanden sich nur noch zwei He 115 im Horst. Zum Verband gehörten drei Offiziere und 182 Mann, zwei PKW, vier LKW und ein Krad. Ab 10. Mai 1941 war keine Maschine mehr fest auf dem Seefliegerhorst. Durch die Einnahme Frankreichs wurden die Flugzeuge Richtung Westen verlegt. Durch Veränderung der Horst-Flak änderte sich die Personalstärke bis zum 13.12.1941 auf drei Offiziere und 314 Mann, zwei PKW, sieben LKW, drei Krad und ein Omnibus.

Am 01.07.1941 um 14 Uhr flog eine „Short Stirling“ unter Ausnutzung der niedrig hängenden, teilweise aufgerissenen Wolken aus Osten den Horst an und warf etwa zehn Bomben, die im Marinegelände, ohne Schaden anzurichten, detonierten. Eine zweite Maschine flog den Horst von Westen an und warf acht Bomben, die Wasserleitungen an drei Stellen zerstörten.

Am 30.10.1941 wurde der Fliegerhorst erneut angegriffen. Die Bomben fielen zwischen Reede und Ostland ins Watt. Zwischen dem 15.11. und 05.12.1941 wurde der Fliegerhorst immer wieder mit Bomben angegriffen. Die Bomben verfehlten aber immer ihr Ziel. Am 26.07.1942 wurden von feindlichen Flugzeugen 42 Brandbomben auf den Landflugplatz abgeworfen, die jedoch ohne Wirkung blieben.

Das Marinefliegergeschwader 5 - Außenstelle Borkum

Erste Landungen von Hubschraubern der Bundesmarine aus Kiel vom Typ Sycamore fanden schon 1960 statt. 1974 wurde die Außenstelle ausgebaut, 1975 kam das Nachfolgemodell für den Hubschrauber Sikorsky H 34 (zivile Bezeichnung S 58), der MK 41 Sea King nach Borkum. Der auf Borkum stationierte Seenotrettungshubschrauber machte am 16. Februar 1965 das erste Mal Schlagzeilen: Oberbootsmann Hubert Struck und seine Besatzung retteten neun Mann von dem sinkenden norwegischen Schiff „Jodelto“.

1992 stand rund um die Uhr eine einsatzklare SAR-Maschine für den Luft- oder Seenotfall in Bereitschaft. 24 Soldaten und Zivilbeschäftigte teilten sich im wochenweisen Wechsel den 24-Stunden-Dienst. Die Bereitschaftscrew bestand aus vier Technikern, einem Flugabfertiger und der vierköpfigen Hubschrauberbesatzung, die montags und freitags auf dem Luftwege ausgetauscht wurde.

Seaking MK 41 der SARSikorsky H 34 vor dem Borkumer Nordstrand mit Rettungskreuzer Georg BreusingSeeflugausbildung der Luftwaffe vor Borkum - Bell UH 1 D mit Landungsboot Barbe-Klasse 

In den ersten 25 Jahren nach ihrer Gründung am 01.02.1965 hatten die Hubschrauber der Außenstelle 2875 Einsätze zu verzeichnen. Unzählige Insulaner und Gäste haben ihr Leben der SAR-Dienststelle zu verdanken. Fast drei Viertel der Einsätze wurden als zivile Krankentransporte geflogen. Wattwanderer wurden aus Seenot gerettet, schwangere Frauen zur Entbindung in das Emder Krankenhaus gebracht. 140 Schüler wurden beim „Big Lift“ im Eiswinter 1976 von einer Klassenfahrt nach Wangerooge zurück aufs Festland zu den Eltern und in die Schule gebracht, weil die Fähre wegen des Eisganges nicht fahren konnte. Im Jahr 2004 konnten 350 Landungen verzeichnet werden, inzwischen wurde der Stützpunkt von der Luftwaffe, Bundesgrenzschutz, ADAC und Polizei mitbenutzt.

Bei der Stationierungsplanung der Bundeswehr kam im August 1991 das endgültige „Aus“ für den Marinestandort Borkum. Die Zahl der Soldaten von damals 439 sollte auf 20, die Zahl der Zivilbeschäftigten von 109 auf 22 reduziert werden. Im März 1996 fand die letzte Vereidigung von Wehrpflichtigen der Seemannschaftslehrgruppe auf Borkum statt. Zurück blieb nur noch die Außenstelle des Marinefliegergeschwaders 5.

Auf der Reede besteht heute nur noch ein Bereitschaftsdienst der SAR, um die Sicherheit bei Luft- und Seeunfällen über der Nordsee zu gewähren – die offizielle Aufgabe dieses Standorts. Unterhalten wird der Außenlandeplatz Borkum durch einen einzigen Soldaten. Der SAR Hubschrauber aus Helgoland kann hier im Einsatzfall tanken.

Dieses und weitere interessante Themen sind nachzulesen in dem Buch "Borkum - Festung im Meer" von Volker Apfeld.

 
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