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Lager Wolterdingen

Unweit der Stelle, an der sich im 1. Weltkrieg das Lager Soltau befand, ganz in der Nähe des heutigen Heidepark Soltau, wurde im Jahr 1934 das Lager Wolterdingen errichtet. Die oberste Leitung der SA in Berlin hatte nach einem Gelände für ein SA-Sportlager für 600-700 Mann gesucht und es hier gefunden.

Erhaltene Baracke
Lager Wolterdingen 1641Lager Wolterdingen 1641Lager Wolterdingen 1641

Im Jahre 1935 wurde das Gelände von der SS übernommen, da die SA bzw. Wehrmacht es nicht komplett nutzen konnte und so keine Verwendung mehr dafür hatte. Zwischen der Bevölkerung und der SS-Verfügungstruppe III Germania gab es wohl so viele Schwierigkeiten, daß letztere das Lager im Juli 1937 wieder verließ und im August von der I-SS Germania aus Veddel abgelöst wurde. Schon im Frühjahr 1938 zog die SS aus dem Lager ab, das während dieser ganzen Zeit nie voll belegt gewesen war.

Erhaltene BarackeHundehüttePumpenhausPumpenhaus

Von August 1938 bis August 1939 fanden im Lager Landwehrübungen verschiedener Truppenteile statt, die jeweils etwa drei bis vier Wochen dauerten. In diesem Zeitraum war das Lager durchschnittlich mit etwa 1200 Mann belegt. In der Folgezeit bis November 1940 wurde das Gelände durch die Marinestammabteilung Nord belegt, die hier zwischen 2.000 und 4.000 Seeleute auf eine mögliche Landung in England vorbereitete.

Schießstand

Bis Mitte 1943 wurde das Lager dann wiederum von Panzerjägern und Pionieren als Unterkunft genutzt, die in Munster an Wehrübungen teilnahmen. Nach den ersten schweren Bombenangriffen auf Hamburg waren für kurze Zeit auch etwa 150 ältere Zivilisten aus Hamburg mit im Lager untergebracht. Bis zum Kriegsende wurde das Gelände nun weiter durch die Wehrmacht genutzt. Im April 1945 war das Lager für zwei Tage Armeestabsquartier - hier wurde das Gentleman Agreement zwischen deutscher und britischer Armee initiiert, das das Gebiet des Konzentrationslagers Belsen als neutral definierte und aus den Kampfhandlungen aussparte.

Ausweis Lager WolterdingenEssenkarte Lager Wolterdingen 

Nach dem Einmarsch der Briten in Soltau im April 1945 wohnten im Lager neben britischen Entmilitarisierungseinheiten auch Flüchtlinge (sog. DP camp #251) und ehemalige Zwangsarbeiter, teilweise noch bis ins Jahr 1960. Heute sind nur noch wenige Gebäude und Reste des Langwaffen-Schießstands erhalten geblieben. Die Baracken befinden sich in Privathand und werden bewohnt. An einigen Stellen im Wald findet man noch einige Deckungslöcher, Hundehütten aus Beton und andere Relikte der unseligen Zeit des NS-Regimes.

Quellen (Auszug):
-
Soltau in der Weimarer Republik, im Dritten Reich und in der Nachkriegszeit, Stadt Soltau
-
Kriegschronik 1945 der Stadt Soltau und Umgebung, Willy Klapproth
- Das bittere Ende zwischen Weser und Elbe, Ulrich Saft
-
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Bd.2, Niedersachsen I
-
KZ-Züge auf der Heidebahn, Staack/Wulf/Nordhoff/Reck
- Lager Soltau, Klaus Otte
- Public Record Office Bestände AIR 26/050, HW 1/3490
- Der 17. April 1945, W.Meyerhoff in "Der Niedersachse"
- Lüneburg 45, - Helmut C.Pless
- Archiv T.Wolf, Stedden
- Aussagen von Anwohnern
- eigene Recherchen

Tags: Truppenübungsplatz, Zwangsarbeit, Soltau