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US-Fernmeldestation Bocksberg (Harz)

Geschrieben von: Michael Grube   

Der Bocksberg bei Hahnenklee (südlich von Goslar) ist mit einer Höhe von 727 Metern zwar nicht gerade die höchste Erhebung der Gegend, war aber als Standort für eine militärische Funk-Relaisstation während des Kalten Krieges durchaus geeignet. Von 1950 bis zum Sommer 1992 betrieben das 5th Signal Command (Stammstandort Mannheim), das 102nd Signal Battalion und die 4th Signal Group der US Army hier eine eher unspektakuläre Anlage. Teilweise arbeitete auch Personal der Signal Support Company Berlin im Objekt.

Der Mast auf dem Bocksberg 2002

Auf dem 62 Meter hohen Gittermast waren mehrere große Parabolantennen. Laut einem Artikel in Spiegel 8/1989 soll hier auch die NSA gearbeitet haben, dies erscheint uns aber eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlich bezieht sich dies auf Mitarbeiter der damaligen Army Security Agency (ASA). Die Hauptaufgabe war die einer Relais-Station. Von hier aus bestand eine Troposcatter-Verbindung (Troposphären-Funk) nach West-Berlin und eine Richtfunkverbindung zum Köterberg bei Holzminden, wahrscheinlich noch eine weitere nach Helmstedt oder Linderhofe. Die Station auf dem Köterberg hatte ihrerseits Verbindungen nach Rothwesten bei Kassel, Schwarzenborn und möglicherweise weitere Richtfunkstrecken. Rothwesten und Schwarzenborn fungierten als zentrale Stellen mit zahlreichen weiteren Verbindungen und waren Teil des DEB (Digital European Backbone).

Gebäude auf dem Bocksberg 2002Gebäude auf dem Bocksberg 2002

Die Anlage war recht klein, sie bestand eigentlich nur aus dem genannten Mast, zwei Baracken, einem Trafohaus, dem Basketball-Korb und dem Zaun. Sie gehörte zum Army Command and Administration Network (ACAN), einem adminstrativen Kommunikationsnetzwerk der US-Streitkräfte. Geführt wurde sie hier unter dem Namen "Bocksberg Relay Site", kurz "BBG".

Blick vom Gelände 1984Antennenträger, 1984Antennenträger, 1984Antennenträger, 1984

Nach der "Wende" folgte bald das Aus - am 10. September 1992 wurde die Anlage ausser Dienst gestellt und stillgelegt. Praktisch die gesamte Anlage ist noch vorhanden, lediglich die Hochfreuenz-Technik samt Antennen wurde demontiert und der Mast auf 54 Meter gekürzt. Heute sind auf dem Antennenträger Strahler von Mobilfunkbetreibern montiert, die Gebäude offenbar vermietet oder verkauft und privat genutzt.

Heute ist der Mast Eigentum von Vodafone Deutschland und dient als Ausbildungsmast Nord für die Arbeit und das Retten sowie Selbstsichern In und aus Höhen. Jeder Mitarbeiter, der für einen Mobilfunkanbieter auf einen Mast steigt, muss so einen Lehrgang absolviert haben. Der Eigentümer hat zu diesem Zweck extra eine Plattform in ca. 10 Meter Höhe einziehen lassen.

Quellen (Auszug):
- Empfänglich für Geheimes, Erich Schmidt-Eenboom
- Headquarters Germany - Die amerikanischen Geheimdienste in Deutschland, Klaus Eichner/Andreas Dobbert
- Intelligence and National Security, Matthew M.Aid/Cees Wiebes
- Militarisierungsatlas der Bundesrepublik
- Verein Spurensuche Goslar e.V.
- http://usarmygermany.com
- Mediatus 07/1989
- versch. Artikel der Goslarschen Zeitung
- Aussagen von Zeitzeugen
- eigene Recherchen




 
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