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Langwellensender Erching

Geschrieben von: Roland Prösch   

QSL-Karte VOA Munich1953 wurde in der Nähe von Erching in Bayern (ca. zwanzig Kilometer nördlich von München) ein Langwellensender mit einem 256m hohen Mast aufgebaut. Hierbei handelte es sich um einen gegen Erde isolierten, abgespannten Stahlfachwerkmast mit zwölf Dachkapazitätsabspannungen. Der Sender mit einer Leistung von einem Megawatt auf 173 kHz wurde für den amerikanischen Radiosender "Voice of America" (VOA) betrieben und war zu dieser Zeit der stärkste Rundfunksender Europas. 

Vom 25.01.1954 bis zum 31.01.1964 sendete neben VOA auch RIAS 1 täglich fünf Stunden Programm über diese Anlage. Da dieser Sender mit der in den USA üblichen Netzfrequenz von 60Hz arbeitete, konnte er nicht aus dem öffentlichen Stromnetz versorgt werden, sondern verfügte dafür über eigene Dieselgeneratoren.

Erching Ende der fünfziger Jahre 

VOA sendete von Erching (offiziell "VOA Munich") aus ein breitgefächertes Programm in mehreren Sprachen mit den Staaten des Warschauer Paktes als primäres Zielgebiet. Die Themen, Meinungen und Darstellungen der Beiträge waren selbstverständlich stark von westlicher Sicht geprägt und durchaus als Propaganda-Instrument gedacht. 1972 begann die Sowjetunion daher, entlang der westlichen Grenze mehrere starke Langwellensender auf 173 kHz zu errichten (Minsk, Kaliningrad, Lvov). Neben der Verbesserung der Rundfunkversorgung der UdSSR war ein offensichtlicher Zweck dieser Maßnahmen auch, den Empfang des Senders Erching im Zielgebiet unmöglich zu machen. 1973 wurde der Sender daher abgeschaltet.

QSL-Karte DLF Deutschlandfunk MünchenDie Sendeanlage erhielt 1979 eine neue Frequenzkoordinierung für 209 kHz mit 500 Kw und wurde seit dem 04.07.1979 tagsüber in der Zeit von 05:00 bis 19:00 Uhr unter Leitung der Deutsche Bundespost für den Deutschlandfunk (DLF) weiter betrieben. Ein Nachtbetrieb war nicht möglich, da der Sender Kiew auf gleicher Frequenz gestört worden wäre.

Da für den Sender eine gerichtete Ausstrahlung erforderlich war, wäre eigentlich die Errichtung eines weiteren Mastes nötig geworden, um dies zu erreichen. Dies war aber wegen des Neubaus des erst viel später (1992) eröffneten Münchener Franz-Josef-Strauss-Flughafens nicht möglich. Aus diesem Grund wurde 1985 mit dem Bau eines neuen Senders in Aholming südlich von Deggendorf begonnen, der am 1.2.1989 in Betrieb ging. Am 1. August 1988 erfolgte in Erching noch eine Umstimmung auf 207 kHz. Der Sender wurde schließlich am 31.12.1988 abgeschaltet und die Liegenschaft angeblich an den Bundesnachrichtendienst (BND) übergeben. Möglicherweise wurde die Anlage noch einige Zeit als "Nummernstation" zur Kommunikation mit Agenten im Ausland eingesetzt.

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Der Sendebetrieb ist schon lange eingestellt, das Gelände lag über Jahre hinweg im Dornröschenschlaf und wurde leider auch wiederholt von Vandalen heimgesucht. Seit einem Eigentümerwechsel vor einiger Zeit finden wieder regelmäßig Kontrollgänge statt und das Areal wird mit Videotechnik überwacht.  Laut Eigentümer kann das Gelände für Film- und Fotoproduktionen gemietet werden.

 
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