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Ausweichführungsstelle der Bezirksverwaltung des MfS Leipzig

Geschrieben von: Oliver Schmidtgen   

Diese ehemalige Ausweichführungsstelle ist mittlerweile als Museum (Museum im Stasibunker Machern, Teil der Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke") der Öffentlichkeit zugänglich gemacht - Details am Ende des Artikels.

Die Anlage wurde in den Jahren 1969-1972 vor dem Hintergrund eines möglichen "heißen Konflikts" zwischen den Blöcken gebaut. Insgesamt hätten mit dem Führungspersonal 120 festangestellte Mitarbeiter des Bezirks Leipzig Platz in der Anlage gefunden. Neben dem Grundstück mit der Bunkeranlage gehörte zu dem Komplex noch eine abgesetzte Sende-/Empfangsanlage, die ca. 3km von der eigentlichen Bunkeranlage entfernt ist. Mit dieser Aufteilung wollte man eine genau Lokalisierung der Bunkeranlage durch Peilung feindlicher Kräfte erschweren. Dazu gehörte auch, dass die Bunkeranlage am Rande einer Feriensiedlung angelegt wurde und das Grundstück als Objekt des Wasserwirtschaftsamts getarnt wurde. Im Rahmen dieser "Tarnung" wurden nur unverdächtig erscheinende Gebäude errichtet - einfache Baracken bzw. ein kleines Haus am Eingang, im welchem der Objektverwalter/Bunkerwart lebte. Nur wer das Grundstück betreten hätte, hätte dann gemerkt, dass es hier wohl doch etwas anderes geben muss. So gab es z.B. noch einen inneren Zaunring, der den eigentlichen Bunkerbereich bildete (Zugangsbauwerke, Unterkünfte, etc.). Zwischen den beiden Zäunen befand sich die Wohnung des Bunkerkommandanten sowie eine eigene "Küche" für die Wachhunde Garagen u.ä.

Wohnung des Bunkerwarts

In Friedenszeiten war auf der Anlage lediglich der Bunkerkommandant stationiert sowie ggf. eine Wachmannschaft. Die Überwachung der Anlage erfolgte teilweise per Richtmikrofonen die von der Bezirksverwaltung in Leipzig aus gesteuert wurden. Bei Bedarf wurde dann der Bunkerwart vor Ort in Machern per Telefon verständigt um nach dem Rechten zu sehen.

Gelegentlich fanden Begehungen der Anlage durch das MfS statt, bei denen die Einsatzbereitschaft der Anlage und Einrichtungen überprüft wurde. Eine "richtige" Nutzung der Anlage soll es jedoch nie gegeben haben.

Zugang Zugangsstollen Blick in die Technik Messgeräte für Strahlung und Kampfstoffe 
Fernschreiber Telefonvermittlung Telefon-Arbeitsplätze Büro des Bunkerkommandanten 

Bei der Wahl des Ortes spielten neben den vorgenannten Aspekten noch Überlegungen bezüglich der Auswirkungen bei einer Atomexplosion in Leipzig eine Rolle. Die beiden Treppenabgänge in den Bunker führen zuerst in einen Stollen, der annähernd in Ost/West-Richtung verläuft. Die Türen, die dann in den eigentlichen Bunker führen, liegen an den Seiten dieses Ganges etwas zurückversetzt. Mit dieser Anordnung wollte man erreichen, dass eine eventuelle Druckwelle "nur" durch Verbindungsstollen läuft ohne dabei in den Bunker einzudringen. Zusätzlich konnte man die Treppenabgänge in den besagten Stollen noch mit großen, auf Schienen gelagerten Platten verschließen. Auch dass man die Anlage in ca. 30 km Entfernung von Leipzig errichtete, soll bei den Überlegungen bezüglich der theoretischen Atomexplosion eine Rolle gespielt haben. Der Bunker selber wurde durch ein Mehrschichtensystem vor der Einwirkung von Strahlung geschützt. Zusätzliche zu der Betondecke gab es noch Sand- und Kiesschichten zu der normalen Erdüberdeckung. Bezüglich der Schutzwirkung des Bauwerks gibt es unterschiedliche Angaben - so schwanken die Aussagen von maximal 12 Stunden bis hin zu 14 Tagen bei atomarer Verseuchung und Schutzluftbetrieb.

Wie bereits Eingangs erwähnt, ist der Bunker als Museum der Öffentlichkeit zugänglich. Neben dem Bunkerinneren kann sowohl das Außengelände als auch eine Ausstellung zum Thema "Mobilmachungsplanung im Bezirk Leipzig sowie die diesbezüglichen Aufgaben des MfS" besichtigt werden.

Zum Schluß ein paar technische Daten:

Baujahr: 1969-1972
Kapazität: 120 Personen
Fläche: 1435 qm auf einer Etage
Fläche Grundstück: 5,2 ha

Bildnachweis/Dank/Quellen:
- Museum im Stasi-Bunker Machern, Teil der Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke".
- Bürgerkomitee Leipzig e.V. für die Auflösung der ehemaligen Staatssicherheit (MfS) , Träger der Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke"

Öffnungszeiten: Jedes letzte Wochenende im Monat, Sonnabend und Sonntag 13:00 - 16:00 Uhr. Sonderführungen auf Anfrage-


 
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