Schon 1870/71 wurde nahe des kleinen Ortes Scheuen bei Celle ein Schießplatz
für die Reichswehr eingerichtet. Im Ersten Weltkrieg kam dann ein
Marineflugplatz hinzu.
In den Jahren 1934 bis 1939 wurde eine Munitionsanstalt mit mehr als
zweihundert Gebäuden errichtet. Für die leitenden Mitarbeiter
entstand eine Siedlung mit 24 Wohnungen in zwölf Doppelhäusern.
Gefertigt wurde Infanteriemunition, Handgranaten sowie Panzerabwehrgeschosse.
Die Arbeit in der Fabrik wurde zum größten Teil von rund 400
Zwangsarbeitern verrichtet, die, getrennt nach Geschlecht, in zwei Lagern
untergebracht waren. Es handelte sich hauptsächlich um Serben und
Jugoslawen, später auch um Russen und Belgier. Auch viele Frauen
aus der Umgebung wurden zur Arbeit in der MunA dienstverpflichtet.

  

In etwa hundert unterirdischen Bunkern mit doppelten Stahltüren
wurden noch drei Wochen vor Kriegsende große Mengen Kampfstoff-Munition
eingelagert. Laut Sonderbefehl sollte diese Munition bei einer Bedrohung
durch die Alliierten nach Wettenberg verlagert oder, falls das nicht
möglich gewesen wäre, in der Elbe versenkt werden.
Dazu kam es nicht mehr, die Briten erreichten Scheuen am 13.April 1945,
die Anlagen wurden kampflos und unbeschädigt übergeben. Noch
im selben Jahr wurde mit der Demontage, Räumung und teilweisen Sprengung
begonnen, Plünderungen besorgten dann den Rest. In der Folgezeit
wurde die Restanlage als Lager für mehrere tausend DP' s (displaced
persons) genutzt.
Die Freiherr-von-Fritsch-Kaserne, die bei den Briten den Namen
Ironside Barracks trug, sowie die dazugehörigen Anlagen
und der Übungsplatz werden noch heute militärisch genutzt
(Panzerbataillon 334, Truppenambulanz u.a.). Die britischen Truppen
zogen Mitte der neunziger Jahre vom Gelände ab, der Flugplatz
wird heute von der Flugsportvereinigung Celle privat genutzt.
Die ungenutzten Ruinen der MunA wurden inzwischen größtenteils
abgerissen, die Kaserne bleibt bis auf weiteres als solche bestehen.
Quellen (Auszug):
- Celle '45, Bomann-Museum
- Das nationalsozialistische
Lagersystem, Martin Weinmann
- Der Kieg, der nie stattfand, Günther W.Gellermann
- Fassberg, Hans Stärk
- Gefährdungsabschätzung von Rüstungsaltlasten in Niedersachsen,
NLÖ
- Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945, Bd.2, Niedersachsen I
- Militarisierungsatlas der Bundesrepublik, Alfred Mechtersheimer/Peter
Barth
- Tödliche Gefahr aus der Tiefe, Andreas Oberholz
- Unruhige Zeiten - Erlebnisberichte aus dem Landkreis Celle 1945-1949,
Rainer Schulze
- Die Bundeswehr der Zukunft - Ressortkonzept Stationierung 2001, BMVg
- Deutscher Bundestag, Drucksache 11/6972
- Public Record Office, Bestände AIR 26/505 und WO 208/2176
- Archiv T.Wolf, Stedden
- Aussagen von Zeitzeugen
- eigene Recherchen |