Die vier hier behandelten saarländischen US-Munitionslager wurden
während des "Kalten Krieges" in den Jahren 1971 bis 1974
unter Leitung des Finanzbauamtes erbaut. Zunächst wurde Anfang 1971
mit dem Bau des Depots Marpingen begonnen. Die Erstellungskosten pro Depot
betrugen damals ca. 4,5 Millionen DM. Alle vier Depots wurden in zuvor
nur forstlich genutzten Waldgeländen errichtet und sind weitgehend
baugleich.
Die Anlagen bestehen aus jeweils 14 bzw. 15 erdüberdeckten Einzelbunkern,
die an einer oval angelegten Ringstraße liegen. Von dieser Erschließungsstrasse
führen die Zufahrten zu den einzelnen Munitionshäusern aus Betonfertigteilen.
Die Abmessungen der gewölbeartigen Bunker betragen ca. 20,0m x 9,0m
x 5,0m (LxBxH). Jeder Bunker war über einen Telefonapparat (inzwischen
natürlich demontiert) mit dem Wachgebäude verbunden, der Zugang
erfolgte über ein mit einem mittels Kettenzug zu bewegenden, ca.
20 cm starkes Stahltor.

Jedes der Gelände war mit einem einfachen, 3m hohen Zaun mit dreifacher
S-Draht-Krone umschlossen. Direkt hinter der Einfahrt befindet sich rechts
bzw. links das Wach/Aufenthaltshaus. Die Wachen waren deutsches Zivilpersonal,
US-Personal war nicht ständig im Depot. Die Stärke der mit Gewehren
bewaffneten Wachmannschaften betrug jeweils vier bis sechs Mann. Diese
hatten die Anlagen stündlich zu umrunden.
Die
Depots waren Reservedepots für das größere US-Depot
Miesau bei Ramstein, damit dieses bei flächendeckendem Bombardement
nicht den Großteil des Lagergutes verliert. Die Munition
wurde in unregelmäßigen Abständen in "Nacht-
und Nebelaktionen" mittels LKW ausgetauscht. Dieser Umstand
und das Schweigen der US- und deutschen Behörden zu der gelagerten
Munition nährten in der Bevölkerung Vermutungen und
die schlimmsten Befürchtungen. Gelagert wurde laut Wachpersonal
Munition für Gewehre und Pistolen, Panzergranaten und Granatwerfermunition
- angeblich keine chemischen, biologischen und/oder atomaren Kampfstoffe.
Dafür spricht auch die relativ einfache Sicherung. Ihren
einzigen großen und auch letzten Auftritt hatten die Depots
während der Operation "Wüstensturm". Sie dienten
als wichtiges Glied der Versorgungskette in die Golfregion. Danach
wurden sie recht bald geschlossen. Bei verschiedenen Depots wurde
kurz vorher z.B. der Zaun noch erneuert. Nach Aufgabe der Anlagen
Anfang der 90er Jahre wurde die Munition in das Hauptdepot Miesau
transportiert.
Ergänzende Angaben zu den einzelnen Anlagen:
Differten
Betriebszeitraum: 1974 - 28.02.1991
Gebäudebestand: 14 Einzelbunker (Türen verschweißt, Bunker
nicht zugänglich), Wachstube/Funkstation
derzeitiger Zustand: kein PKW-Verkehr, Schranke, für Fußgänger
frei zugänglich, soll
als Sukzessionsfläche dienen d.h. wieder zu Wald werden.

Wadern
Betriebszeitraum: 1974 - 1991
Gebäudebestand: 14 Einzelbunker, Wachstube/Funkstation
besondere Vorkommnisse: Todesfall (Schussverletzung - Unfall)eines Wachmanns
derzeitiger Zustand: kein PKW-Verkehr, Erdwall, für Fußgänger
frei zugänglich,
Bunker wurden zugeschweißt, soll als Sukzessionsfläche dienen
d.h. wieder zu Wald werden.
Merzig
Betriebszeitraum: 1973 - 1991
Gebäudebestand: 15 Einzelbunker, Wachstube/Funkstation
derzeitiger Zustand: Gelände ist abgeschlossen, Umzäunung intakt,
dient Landwirten und Vereinen aus Merzig und Umgebung als Lagerfläche.

Marpingen
Betriebszeitraum: 1973 - 1991 (Bauzeit von Anfang 1971 - Sommer 1972)
Gebäudebestand: 15 Einzelbunker, Wachstube/Funkstation teilw. zerstört
einziges Depot mit zwei Einfahrten
derzeitiger Zustand: teilweise vermietet und als Lagerfläche genutzt.

Die Dokumentation der Recherche basiert im Wesentlichen
auf Zeugenaussagen von Wachpersonal, Mitarbeitern des Finanzbauamtes,
Forstbeamten und "interessierten" Anwohnern sowie Nachfragen
bei der Saarbrücker Zeitung. |