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NATO-Sonderwaffenlager Alten-Buseck

Geschrieben von: Alexander Leib & Michael Grube   

Das 42 Hektar große Gelände besteht aus zwei Bereichen: Dem ehemaligen Munitionsdepot der Bundeswehr mit ca. 45 Munitionslagerhäusern und einem Sonderwaffenlager der NATO (USAFAD = US Army Field Artillery Detachment). Die beiden Depots wurden Anfang der siebziger Jahre errichtet und 1993 von der NATO bzw. der Bundeswehr aufgegeben.

NATO-Sonderwaffenlager bei Giessen
NATO-Sonderwaffenlager bei GiessenNATO-Sonderwaffenlager bei GiessenNATO-Sonderwaffenlager bei GiessenNATO-Sonderwaffenlager bei Giessen

Das Areal des ehemaligen Atomwaffenlagers ist doppelt eingezäunt und wurde von einer Wacheinheit (Begleitbatterie 5) der Bundeswehr, teilweise auch nur von zivilem Personal  bewacht. Nur zwei bzw. drei US-Soldaten kontrollierten den Zugang der Bundeswehr-Soldaten zum inneren Bereich. Dieser Zutritt erfolgte für die nächtliche Bestreifung durch das Tor am Wachgebäude; für Alarme resp. Alarmübungen durch eine an der Rückseite des Wachgebäudes befindliche, alarmgesicherte Metalltür (sog. "rapid entry door"). Der Zaun war Sensoren ausgestattet, die Berührungen bzw. Manipulationen meldeten. Die häufigste Ursache für Alarmmeldungen dieser Sensoren, war Wild, meistens Hasen.

Das gesamte Gelände und der umliegende Außenbereich wurde nachts mit starken Scheinwerfern beleuchtet und von den mit jeweils zwei Soldaten besetzten Wachtürmen aus kontrolliert. Von den Türmen nicht direkt einsehbare Stellen waren zusätzlich mit Videokameras ausgestattet. Ausserhalb des Geländes sicherten Zivilbeschäftigte das Areal während der Dunkelzeit mit abgerichteten Hunden. Während der regelmäßig stattfindenen Wartungsarbeiten an den eingelagerten Sonderwaffen, wurde zusätzlich ein Teil des umliegendes Waldes abgesperrt. Im inneren Bereich, der sogenannten SAS (Special Ammunition Site), gab es Unterstände, die als MG-Stellungen zur Verteidigung vorgesehen waren. Als Ausrüstung standen hierfür unter anderem Tränengas, Splitterschutzwesten, Maschinengewehre, Granaten und Feldkanonen FK-20 zur Verfügung.


NATO-Sonderwaffenlager bei GiessenNATO-Sonderwaffenlager bei GiessenNATO-Sonderwaffenlager bei GiessenNATO-Sonderwaffenlager bei Giessen
NATO-Sonderwaffenlager bei GiessenNATO-Sonderwaffenlager bei GiessenNATO-Sonderwaffenlager bei GiessenNATO-Sonderwaffenlager bei Giessen

Im hinteren Bereich befand sich ein weiterer Wachturm, in dem auch ein Teil der Überwachungsmonitore untergebracht war. Der innere Bereich beherbergte zwei große , innen halbtonnenförmige Bunker mit doppelter Absicherung. Dort wurden u.a. "dual capability nuclear weapons" vom Typ W-79 (203mm Artilleriegranate), W-80 und W-85 gelagert. Diese Waffen hatten, je nach Ausführung und Einstellung, eine Sprengkraft zwischen 0,3 und 80 Kilotonnen.  Zwischen 1962 und 1972 war auch die 5./RakArtBtl 52  zur Bewachung des Depots eingesetzt.  Während dieses Zeitraums lagerten in Alten Buseck möglicherweise auch Sprengköpfe für die Honest John sowie die Granaten für die 28cm Kanonen (Atomic Anni),

Blick auf das Gelände, 80er JahreBlick auf das Gelände, 80er JahreBlick auf das Gelände, 80er JahreBlick auf das Gelände, 80er Jahre
Sonderwaffenlager Buseck 1990Sonderwaffenlager Buseck 1990Sonderwaffenlager Buseck 1990Sonderwaffenlager Buseck 1990

Die BGL 5 war in der Steuben Kaserne Giessen stationiert, das US Army Detachment ebenfalls.SAT (Security Alert Team) und BAF 1 (Back-up Alert Force) waren stets im Lager. Das SAT bestand aus zwei Mannschafts-Dienstgraden und einem Unteroffizier; üblicherweise handelte es sich um die Soldaten, welche zuvor zwei Stunden Dienst auf dem Hauptturm hatten. Die Reaktionszeit des SAT betrug dreißig Sekunden; zu den weiteren Aufgaben des SAT zählten auch Reinigungsarbeiten im Aufenthaltsraum. Die BAF1 bestand aus den Soldaten der Freiwache. Die BAF2 mit Standort in der Steuben-Kaserne wurde im Alarmfall durch den jeweils höchsten Dienstgrad alarmiert. Weitere Kräfte konnten aus Giessen und Wetzlar angefordert werden.

Der Dienstplan für Mannschaftsdienstgrade war wie folgt aufgebaut:

  • 2 Stunden Wache Hauptturm
  • 2 Stunden SAT
  • 4 Stunden Freiwache
  • 2 Stunden Nebenturm
  • 6 Stunden Freiwache

Das Lager wurde nach seiner Schließung noch einige Monate von einer Wachgesellschaft bewacht und dann aufgegeben. Leider wurde es mehrmals von Vandalen heimgesucht, die Teile der Fenster und Verkleidungen zerstörten sowie die noch vorhandene Schaltschränke demolierten. Das gesamte Geländegehört inzwischen der Gemeinde und  ist verpachtet worden.

 
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