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Einsatzhafen Reinsehlen

Geschrieben von: Michael Grube   

Spätestens seit dem Besuch des Dalai Lama im Oktober 1998 hat wohl fast jeder schon einmal von Camp Reinsehlen gehört. Doch dahinter steckt mehr als nur ein Ort für eine Großveranstaltung.

Nissenhütten

Auf dem Gelände in der Nähe von Schneverdingen (Lüneburger Heide) wurde 1938 ein Fliegerhorst errichtet, im August des folgenden Jahres rückte die erste Kompanie ein, im September 1939 wurde der Einsatzhafen zum ersten Mal angeflogen. Der Flugplatz diente als Ausbildungs- und Einsatzflughafen (Deckname: Posemuckel) für Luftwaffen-Ausbildungs-Kompanien, die Jagdgeschwader 1 und 26, das Schlachtgeschwader 4 und andere Einheiten. Beim Bau des Flugplatzes wurden auch Zwangsarbeiter eingesetzt - noch heute ist eine von einem Gefangenen hinterlassene Inschrift im Beton einer der Flugplatzstraßen erkennbar.

Inschrift, von einem Zwangsarbeiter hinterlassen

Stationiert waren dort u.a. Fieseler Storch, Bf109G, Fw190A, He 111, Me 110, AR 234, Ju 88, Ju 52, SM.75, SM.81 und SM.82 (aber natürlich nicht alle gleichzeitig ...). Von einer Einheit aus Perleberg wurde in Reinsehlen das Schleppen von Gotha-Lastenseglern mit Ju-52 erprobt.


FW-190 in Reinsehlen

Wie viele andere Plätze wurde auch Reinsehlen im Verlauf des Krieges stetig erweitert, weitere getarnte Abstellplätze und Flugzeughallen errichtet. Und auch hier wurden für die Einrichtung der Trasse für die geplante Ringstraße Kriegsgefangene eingesetzt.

Im April 1945 sollte der Flugplatz von amerikanischen Maschinen bombardiert werden. Dies schlug jedoch aufgrund starker Bewölkung fehl - das Ziel wurde einfach nicht gefunden.

Feuerlöschteich

Die britischen Truppen erreichten Reinsehlen am 17. April 1945. Das deutsche Personal hatte zwar den Befehl, alles zu zerstören, durch übereilte Fluch kam es aber nicht dazu. Ab März 1946 wurde das Camp als Flüchtlingslager (mit über 1.500 Personen eines der größten Norddeutschlands) genutzt, ein Teil des ehem. Fliegerlagers von 1946 bis 1968 als Krankenhaus. Ab November 1950 nutzten britische und kanadische Truppen Reinsehlen als Basiscamp für Panzerübungen in den "Roten Flächen" des Soltau-Lüneburg-Abkommens. Die Kanadier zogen schon nach kurzer Zeit wieder ab, die britischen Truppen blieben bis 1994.

Zuletzt war nur noch die GSO (German Service Organisation) dort - die Organisation, die die Panzerschäden beseitigt hat (so gut es eben ging).

PumpenhausMunitionshausTorNissenhütte
PanzerwaschanlageGebäude im SüdbereichFahrzeughalleTransformatorenstation
Sickerkanal

Für einige Zeit war Camp Reinsehlen nun "no man's land" und Vandalen, Plünderer ("Oh, klasse, Gehwegplatten!") usw. nahmen sich des Geländes an. Illegale Autorennen wurden veranstaltet, aber es fanden auch Drachen- und Ballonfeste statt.

Panzerbrücke über die B3

KommandanturFlugzeughallePanzer-UnterführungHallenfundament

Die Bilder des britischen Camps stammen aus dem Sommer 1998, zu dieser Zeit standen noch die meisten Gebäude. Heute ist vieles abgerissen und renaturiert.

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Das Gelände ist heute zum großen Teil Privatbesitz, Spazierengehen ist aber erlaubt und erwünscht. An manchen Stellen herrscht reges Treiben, ein Hotel wurde gebaut, ein Restaurant, die Norddeutsche Naturschutzakademie ist eingezogen usw. usf.. Näheres dazu gibt es auf der Website des Camps.

Quellen (Auszug):
- Die Geschichte des Camp Reinsehlen, Werner Köster
- Fliegerhorste und Einsatzhäfen der Luftwaffe, Karl Ries/Wolfgang Dietrich
- Hambühren II - Wie alles anfing, Rainer Fabisch
- Jahrbuch Landkreis Soltau-Fallingbostel
- Spurensuche Bd.6. Feldflugplätze und Fliegerhorste der Luftwaffe, Dietrich Alsdorf
- Public Record Office Bestand AIR 26/505
- versch. Unterlagen zum Soltau-Lüneburg-Abkommen
- JG 26 Casualty List 1939-1945
- Reichsverteidigung, Tony Wood & Michael Holm
- Archiv R.Fabisch
- Archiv T.Wolf, Stedden
- http://www.ww2.dk
- versch.Zeitungsartikel
- Zeitzeufen-Aussagen
- eigene Recherchen

 
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