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German Village, Dugway Proving Grounds, Utah

Geschrieben von: Michael Grube   

Das "deutsche Dorf" auf einem Testgelände im amerikanischen Bundesstaat Utah ist keineswegs ein von deutschen Einwanderern gegründeter Goldgräberort oder eine andere, typische Geisterstadt des Südwestens. Und auch das "japanische Dorf" fällt nicht in diese Kategorie ...

Lagekarte 

Während die US Air Force sich im Zweiten Weltkrieg hauptsächlich auf die Bombardierung industrieller und militärischer Ziele in Deutschland und Japan konzentrierte, begann die Royal Air Force relativ früh mit Angriffen auf zivile Ziele, da Churchill die demoralisierende Wirkung auf die Bevölkerung ausnutzen wollte. Natürlich befassten sich auch die USA mit diesem Thema und ließ entsprechende Waffen entwickeln. Als die Standard Oil Company der Regierung die neu entwickelte 6-Pfund-Brandbombe M69 (später M69X) auf Basis einer Art Öl-Gelee vorstellte, stand man vor dem Problem, wie diese getestet werden konnte. Während eines Treffens kamen US-Präsident Franklin D. Roosevelt, Robert Russell (Präsident von Standard Oil), der General des Chemical Corps Alden Waitt und Air Force-General Hap Arnold zu dem Schluß, daß diese Bombe nur an echten Gebäuden erprobt werden könne. Roosevelt entschied, daß originalgetreue Städte nach deutschem bzw. japanischen Vorbild zum Test der M69, anderer Brandbomben und auch chemischer Kampfstoffe errichtet werden sollten.

Dugway, Japanese & German Village

Als Platz wählte man im Jahr 1943 das Peter Area, ein Gebiet im weit abgelegenen Testgelände Dugway Proving Grounds in Utah. Der Architekt des German Village war der deutsche Emigrant Erich Mendelsohn, der über umfangreiche Erfahrung verfügte - er hatte u.a. das Gebäude des Berliner Tageblatts, den WOGA-Komplex am Kurfürstendamm, die Sternefeld-Villa in Charlottenburg, das Observatorium Einsteinturm in Potsdam und das Berliner Kolumbushaus sowie mehrere weitere Gebäude in Berlin, München, Leipzig und Breslau entworfen. Das "japanische Dorf" wurde von dem tschechischen Architekten Antonin Raymond entworfen, der eine 18-jährige Erfahrung mit typisch japanischen Konstruktionen und vor allem deren Dächern hatte.
Auch beim Bau selbst ging man äußerst sorgfältig vor. Das "deutsche Dorf" wurde in zwei unterschiedlichen Sektionen gebaut - die eine eher Rheinland-typisch und mit Schieferdach, die andere eher im Stil einer mittel-/norddeutschen Großstadt. Die sechs Gebäude, die dreistöckigen Mietskasernen glichen, hatten von innen verputzte Ziegelwände, Doppelfenster, Zwischendecken und -Wände und eine typisch deutsche Dachkonstruktion, für die eigens Holz aus Murmansk importiert wurde. Aufgrund des trockenen, heißen Klimas mußten Soldaten das Holz immer etwas feucht halten, um das Klima in Deutschland zu simulieren. Sogar die Inneneinrichtung wurde eigens von den RKO Filmstudios angefertigt, um möglichst hohe Originalität (und damit ein identisches Brandverhalten) zu erreichen. Hierzu wurden sogar deutsche Textilien für Gardinen und Möbel beschafft. Für das japanische Gegenstück, 12 Doppelhäuser, wurde ein ähnlich hoher Aufwand getrieben.

Der Bau der gesamten Anlage hat, unter Zuhilfenahme von Strafgefangenen des Gefängnisses "Sugar House", nur 44 Tage in Anspruch genommen, dabei aber mehr als eine Million US-Dollar gekostet. Zwischen Mai und September 1943 wurden mindestens drei große Probe-Angriffe auf diese Dörfer geflogen, nach denen die Gebäude immer wieder ausgebessert bzw. wiedererrichtet wurden.

Heute ist nur noch ein Gebäude erhalten - das Building 8100 des German Village - das Japanese Village ist restlos verschwunden. Am Rande der Anlage erinnert noch ein Beobachtungsbunker daran, daß hier niemals wirklich Menschen wohnten.

Building 8100 heute
Bunker T-8104German Village 1994Dugway, German Village - Im InnerenBlick in den Dachstuhl

Die Fotos wurden uns freundlicherweise vom DPG Dept. of Public Affairs zur Verfügung gestellt.

Quellen (Auszug):
- Dugway Proving Grounds Department of Public Aggairs
- Rebecca Rudolph
- versch. Zeitungsberichte
- eigene Recherchen

 
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