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Nach der Tschechienkrise - damals beendeten 600.000 Soldaten
aus der UdSSR, der DDR und Ungarn mit Gewalt die Reformpläne
in der CSSR - forderte die Bundeswehr drei "grenznahe fernmeldeelektronische
Aufklärungsstellen". Dieser "ortsfeste Systemanteil"
mit dem Projektnamen JLT sollte die bis dahin meist mobilen Operationen
ergänzen bzw. ablösen. Da einige der geplanten Standorte
bereits von der Luftwaffe beansprucht wurden, einigten sich die beiden Waffengattungen darauf,
daß das Heer in den bestehenden und geplanten Luftwaffen-Anlagen
einige Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt bekäme.
Im Jahr 1970 ging in Daun bei der Zentralauswertung (Fernmeldestab
94, Fernmeldebataillon 940) der erste Großrechner in Betrieb.
1976 konnten dann die Türme in den drei bisher schon mobil
genutzten Standorten Barwedel (FmBtl 120), Großer Kornberg
(FmBtl 220) und Hoher Meissner (FmBtl 320) in Dienst gestellt
und von den inzwischen aufgestellten Fernmeldekompanien 945, 946
und 947 übernommen werden.

   
  
Bei den Bauten handelte es sich jeweils um einen rund siebzig
Meter hohen Turm, der im Zentrum eines rechteckigen, zweistöckigen
Betriebsgebäudes stand. Dazu kamen zusätzliche Bauten
wie Garagen, Zisterne, Wachhäuschen etc.. Anders als in den
Fm-Türmen der Luftwaffe
lagen die Betriebsräume hier nicht im Turm selbst, sondern
im Hauptgebäude. Sie wurden bereits 1985 recht eng und so
stockte man die Gebäude von jeweils zwei auf drei Stockwerke
auf - diese Maßnahme war bereits bei der Projektierung eingeplant
worden. Das Flachdach diente dabei als Fundament für die
Kreisgruppen-Antenne sowie weitere Antennen, z.B. für Troposcatter.
Im Zentrum jedes Turms gab es einen Aufzug, aber keine echten
Stockwerke - lediglich Treppen und Etagen aus Gitterrosten füllten
den Raum zwischen Turminnenwand und Aufzugschacht. In der nach
Osten zeigenden "Nase" des Turms befanden sich Antennen
und kleinste Technikräumen der erkennbare Wulst beherbergte
eine Parabolspiegel-Anlage. Zum Einsatz kam für damalige
Verhältnisse recht neue Technik wie z.B. Watson-Johnson WJ-1140
mit Parabolantenne, eine Kreisgruppenantenne 20-1.000 MHz, der
VHF-Sichtfunkpeiler SFP-2000 und weitere Anlagen für VHF,
UHF und Richtfunk. Neben den im bzw. am Turm montierten Antennenanlagen
befanden sich weitere auf gesondert stehenden Gittermasten.

Mit dieser Ausstattung konnten in Zusammenarbeit mit der Zentrale
in Daun Peilungen bereits mehr oder minder automatisch durchgeführt
werden, selbst eine teilautomatische Klassifizierung von Radargeräten
wurde damit möglich. Ziele der Bemühungen waren der
Truppenfunk der Armeen in der DDR und CSSR sowie Richtfunknetze
im Bereich dieser Länder.
Als das Projekt JLT Anfang der neunziger Jahre aufgrund der veränderten
Weltlage aufgegeben und abgeschlossen wurde, beliefen sich die
Gesamtkosten aus etwa 160 Millionen Mark, ursprünglich waren
sogar 185 Millionen Mark vorgesehen gewesen. Bis zum kompletten
Abzug der sowjetischen Truppen im Jahr 1994 wurden die grenznahen
Aufklärungsstellen noch mit verringertem Personal weiter
betrieben, danach außer Dienst gestellt.
Die Anlage auf dem Großen Kornberg (826m) im Fichtelgebirge
ist noch heute teilweise in Betrieb, allerdings nicht mehr zur
Fernmeldeaufklärung. Seit 1998 dient sie der Arbeitsgruppe
ADTM des Fraunhofer-Instituts und verschiedenen Universitäten
zu Ausbildungs- und Demonstrationszwecken. Entsprechend gut ist
der Zustand, die Anlage ist praktisch fast komplett erhalten.
Seite Oktober 2003 gibt es auf dem Turm sogar Webcams.

  

Panorama 
Der Turm Barwedel (75m ü.NN), der ungewöhnlicherweise
mitten im Ort, umgeben von Wohnhäusern, gelegen ist, wurde
inzwischen teilweise vermietet. Mobilfunk-Betreiber nutzen die
obersten Turmetagen, eine Firma Räume des Betriebsgebäudes.
Entsprechend gut ist auch hier die Substanz. Die Elektronik wurde
natürlich entfernt, ebenso die Kreisgruppen-Antenne. Lediglich
Teile der Parabolantenne des Systems WJ-1140 und einige Kontrollschränke
sind verblieben - heute natürlich funktionslos.
   
 
   
Das Gelände am Hohen Meissner (bei etwa 500m ü.NN)
hatte eine recht interessante, weiter reichende Geschichte. Schon
1948 wurde es als vorgeschobener Posten der Organisation Gehlen
(Vorläufer des BND) genutzt, seit 1951 auch vom militärischen
Geheimdienst der US Army (Army Security Agency). 1952 entstand
das erste Gebäude auf dem Areal, neben dem dann später
der Turm des Heeres errichtet wurde. Hier waren zu verschiedenen
Zeiten u.a. die folgenden Einheiten stationiert: Border Site Cmd
302 ASA Btn, ASA Det M, Co.C, 319th ASA Btn und die 851st ASA
Co. Anfang der Sechziger arbeiteten hier etwa zwanzig bis vierzig
Amerikaner in "geheimer Mission". Auf mehreren Gittermasten
waren Yagi- und LogPeriodic-Antennen für den VHF- und HF-Bereich
montiert. Bis zur Fertigstellung des Turms war die Bundeswehr
am Vorderhang des Meissner aus einer Baracke am Turm Schwalbenthal
heraus tätig. zunächst noch mit der 3. Kompanie des
Fernmeldebataillons 320 aus Frankenberg/Eder, nach der Umgliederung
1971 mit der FmKp 947 aus Hessisch-Lichtenau.

Obwohl die deutsche und die amerikanische Anlage Zaun an Zaun
standen, gab es doch eine strikte Trennung. Man sah sich, kannte
sich, grüßte sich, hatte aber beruflich nichts miteinander
zu tun. Dennoch gab es auf der Heeresanlage auch US-Technik: Der
Turm war rund fünfzehn Meter höher als seine beiden
Schwesterbauten, in den zusätzlichen Stockwerken war Richtfunktechnik
der Amerikaner untergebracht. Sie erlaubte es ihnen, die direkte
Verbindung der Field Station Augsburg mit dem La Fair
Vite - System aufzubauen (siehe dazu Wurmberg).
Heute erinnert fast nichts mehr an dieses ehemals gut gesicherte
Gelände. Die acht bis zehn, teilweise zweistöckigen
Gebäude der US-Truppen wurden nach deren Abzug im Jahr 1992
abgerissen. Das direkt benachbarte, ehemalige Bundeswehr-Objekt
war zuletzt in einem erbärmlichem Zustand. Vandalen hatten
offenbar so ziemlich alles zerstört, was noch einigermaßen
heil war. Am 11. November 2002 wurde der Turm schließlich
gesprengt. Tim Leymann hat die Sprengung gefilmt und uns freundlicherweise
einen Clip zur Verfügung gestellt.
Sprengung JLT-Turm Hoher Meissner
Quellen(Auszug):
- Tim Leymann (Videoclip) - tim.leymann@planet-interkom.de
- LIKE Uni Erlangen (Großer Kornberg)
- Archiv M.Bischoff
- Archiv M.Frahm
- Archiv Werner Krall
- Empfänglich für Geheimes, Erisch Schmidt-Eenboom
- Abrüstungsatlas,
Burkhard Luber
- Archiv Michael Hein, www.kornberg.de
- Geschichte der Fernmeldetruppe des Heeres in der Bundeswehr,
Dr.Peter Berrenberg
- Die materielle Ausstattung der Fernmeldetruppe Eloka des Heeres
in den Jahren 1956 bis 1990, Rudolf Grabau
- "Antenne", Sonderheft 100 Jahre Fernmeldetruppenn
- Headquarters Germany,
Klaus Eichner/Andreas Dobbert
- Intelligence and National Security, Matthew M.Aid/Cees Wiebes
- Militarisierungsatlas der Bundesrepublik, Alfred Mechtersheimer/Peter
Barth
- freigegebene Unterlagen des US Dept. of Defense
- Mediatus 07/1989
- versch. Zeitzeugen-Aussagen
- eigene Recherchen
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