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Lager Soltau

Geschrieben von: Michael Grube   

Selbst im eigenen Landkreis ist das Lager Soltau recht unbekannt. Sicherlich gehört es auch nicht gerade zu den "Glanzlichtern" in der Geschichte der Heidestadt.

Haupttor des Lagers

Bereits zum Ende des Winters 1914/1915 wurde dieses Lager fertiggestellt. Streng genommen handelte es sich um zwei getrennte, räumlich eng beieinander liegende Läger mit insgesamt mehr als 70 Baracken, eigener Wasser- und Elektrizitätsversorgung. Beide Lager waren mit einem doppelten Drahtzaun umzäunt, zwischen den Lagern lief die sog. Mittelstraße.

Das Lager gehörte zum X. Armeekorps, Lagerkommandant war Generalmajor z.D. Rübesamen. Zigtausende Gefangene waren hier interniert, davon viele Franzosen und die allermeisten Belgier. Doengens listet 1929 in seinem Werk "Kriegsgefangene Völker" die folgenden Zahlen auf:

Nationalität Offiziere Mannschaften
Franzosen 3 27.462
Russen 15 26.246
Belgier 0 11.373
Engländer 1 4.702
Serben 0 2.353
Rumänen 0 91
Italiener 0 1.232
Portugiesen 0 114
Zivilpersonen 215

Die meisten Gefangenen waren Soldaten, aber auch einige Zivilisten waren hier interniert. 1915 wurde von den Gefangenen u.a. die Rodelbahn im Soltauer Böhmewald gebaut. Obwohl es sich natürlich um Gefangenschaft handelte, waren die Bedingungen lange nicht so schrecklich wie in den Lagern des Dritten Reiches. So gab es z.B. die Möglichkeit, einen Passierschein zu bekommen, um im nahen Soltau unter Aufsicht einzukaufen. Auch eine Kirche , ein Theaterzelt und sogar universitäre Vorlesungen gab es im Lager. Die Zeiten waren wohl noch etwas "ritterlicher". Ich möchte damit nichts beschönigen, war aber verwundert über diese Dinge und habe sie deshalb erwähnt.

Im Sommer 1920 wurde das Lager Soltau geschlossen, das Land und die Baracken wurden verkauft. Im Juni 1921 verließen die letzten Gefangenen das Lager. Die Natur ergriff wieder Besitz von der Soltauer Heide, die Erinnerung verblasste. Erst nach dem zweiten Weltkrieg "rührte" sich hier wieder etwas.

GedenkstätteGedenkstein

Heute erinnert nur noch ein Denkmal auf dem Gefangenenfriedhof an das Lager Soltau, rund 1.400 Gefangene wurden hier beigesetzt. Auf dem ehemaligen Lagergelände befindet sich heute der Soltauer Vorort Friedrichseck und nur etwa 200 Meter weiter der bekannte Heidepark Soltau.

Ebenfalls nur einige hundert Meter entfernt befand sich während der NS-Zeit das Lager Wolterdingen.

Quellen (Auszug):
- Kriegsgefangene Völker, W.Doegen, Berlin 1921
-
Garnisonsgeschichte der Stadt Soltau 1913-1945, Willy Klapproth
- Lager Soltau, Klaus Otte
- Soltau in der Weimarer Republik, im Dritten Reich und in der Nachkriegszeit, Stadt Soltau
- eigene Recherchen

 
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