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Hafenbahn-Tunnel Hamburg-Altona - der "Schellfischtunnel"

Geschrieben von: Michael Grube   


Lokomotive am TunneltorSchon 1843 hatte man im stetig wichtiger werdenden Altonaer Hafen mit dem Bau eines "Eisenbahnquais" begonnen. Der steile Elbhang machte die Anbindung an die reguläre Bahnstrecke schwierig, so daß man sich zunächst mit einer Rampe behalf, auf der die Waggons mit einer Seilwinde bewegt wurden.



Um gegenüber dem benachbarten Hamburger Hafen nicht wirtschaftlich unterzugehen, wurde 1872 eine deutliche Erweiterung notwendig. Die Rampe sollte durch einen Tunnel ersetzt werden, der Hafen und Bahnhof Altona verbindet - er wurde am 18.01.1876 mit einer Länge von 395 Meter dem Verkehr übergeben. Die Rampenkonstruiktion blieb noch bis 1879/80 parrallel in Betrieb.

Aufgrund gestiegener Anforderungen der inzwischen verstaatlichten Eisenbahn wurde 1893 ein neuer Bahnhof errichtet - allerdings etwa 600 Meter nördlich des bisherigen. Hierdurch bedingt, mußte auch der Hafenbahn-Tunnel verlängert werden, bis zum Jahr 1898 auf eine Länge von nunmehr 961 Metern. Der alte Bahnhof wurde nachfolgend als neues Altonaer Rathaus umgebaut.

Bis zum Ende des Jahres 1909 waren die Waggons noch von angemieteten Pferden bewegt worden, ab jetzt kamen die ersten Lokomotiven zum Einsatz, ab 1911 sogar E-Loks. Bis 1933 war die Hafenbahn wirtschaftlich nun einem regen Wandel unterworfen.

Von September 1933 bis Juni 1936 wurde der südliche, älteste Teil des Tunnels umgebaut bzw. erneuert. Außer der Sohle und den unteren Bereichen des Mauerwerks blieb praktisch nichts erhalten, der obere Teil wurde komplett ersetzt. Dies betraf auch das südliche Tunnelportal.

Das Südende des Tunnels

Während des Krieges wurde der Tunnel von der Altonaer Bevölkerung und den Hafenarbeitern gern als Schutzraum genutzt, obwohl er für diesen Zweck weder vorgesehen noch ausgewisen war.

Ab 1945 lief der Betrieb wie vor dem zweiten Weltkrieg weiter - von 1954 bis 1956 sogar wieder mit Dampflokomotiven (bedingt durch eine Umstellung des Betriebsstroms der S-Bahn, die bis dahin die Hafenbahn mitversorgt hatte.). In den Folgejahren wurden dann bis zuletzt modernere Dieselloks eingesetzt.

Tunnelquerschnitt

Da sich inzwischen immer mehr Fracht auf LKWs verlagert hatte, wurde der Betrieb des Tunnels 1992 eingestellt und sein Südportal am Fischereihafen mit einem Metallgitter verschlossen.. 1998 wurde wegen drohender Einsturzgefahr die Achslast auf den über den Tunnel führenden Straßen beschränkt. Eine Beseitigung oder Verfüllung wäre zu aufwändig und kostenintensiv, so daß gegenwärtig über eine Sanierung nachgedacht wird.  In Teilen des Tunnels, so z.B. im nördlichen Bereich, wurden bereits Verstärkungsschichten aus Spritzbeton aufgebracht. Die Betonschicht sorgt zwar dafür, daß der Tunnel nicht einstürzen kann, leider verdeckt sie aber auch die ursprüngliche Ziegelwand - wahrscheinlich für immer. Auch im Kreuzungsbereich mit der S-Bahn wurde der Tunnel verändert. Beim Bau der S-Bahn-Linie in offener Bauweise wurde der Tunnel an dieser Stelle entfernt und später durch einen neuen Tunnelabschnitt mit rechteckigem Querschnitt ersetzt.

Kilometer-Marker im SchellfischtunnelSchellfischtunnel AltonaSchellfischtunnel AltonaSchellfischtunnel Altona - Blick aus dem Südportal 
Am Südende des Schellfischtunnels  

Mitte der 1990er Jahre wurde im Bereich des Altonaer Hafens mit der Errichtung eines modernen Büro- und Geschäftsviertels begonnen. Eines der beinahe futuristischen Gebäude liegt heute direkt neben dem südlichen Tunnelportal. Teile der historischen Architektur wurden in das moderne Konzept eingebunden und blieben auf diese Weise erhalten.

Quellen (Auszug):
- Der Shellfisch-Tunnel soll leben!, Denkmalschutzamt Hamburg/Verein zur Rettung der Hafenbahn Hamburg-Altona e.V.
- Bezirksamt Hamburg-Altona
- versch. Zeitungsartikel
- Aussagen von Zeitzeugen
- eigene Recherchen

 
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