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Tankstellen
- heute in fast jedem Ort zu finden, waren noch vor hundert Jahren
eine Seltenheit. Als Ende des 19. Jahrhunderts das Automobil erfunden
wurde, machte sich sicherlich noch niemand Gedanken darüber,
welche Verbreitung es einmal finden würde und welch eine Aufgabe
die flächendeckende Versorgung mit Treibstoff eines Tages wäre.
Nur sehr Wohlhabende konnten sich damals so ein neumodernes Gefährt
leisten und so spielte die Versorgungslogistik noch keine so große
Rolle. Gerade einmal fünf Liter passten in einen durchschnittlichen
Tank und sehr weit kam man damit sowieso nicht.
Mit dem Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts trat das Automobil
seinen Siegeszug an und dem Automobilisten stellte sich doch recht
schnell die Frage, woher er denn nun seinen Kraftstoff bekäme.
Man wollte die neu gewonnene, moderne Mobilität schließlich
genießen und nicht in der Reichweite eingeschränkt
sein. Für das bis dahin im Individualverkehr wichtigste Transportmittel,
das Pferd, gab es zumindest entlang der wichtigen Postwege und
-Strassen entsprechende sogenannte Ausspänne, wo Energie
in Form von Ruhe, Wasser und Hafer nachgetankt werden konnte.
Zur Not steuerte man einfach den nächsten Bach an oder ließ
das Ross am Wegesrand grasen. Für das Automobil und die Kraftstoffe
Diesel und Benzin sah das noch gänzlich anders aus, ein Tankstellennetz
existierte natürlich noch nicht. Dieses Versorgungsproblem
wurde zunächst meist von Drogerien und Kolonialwarenhändlern
gelöst, die Benzin aus Fässern in Benzinkannen an den
Endverbraucher verkauften. Da vor der Auto-Ära Lampen- und
Schmieröle die wichtigsten Mineralöl-Erzeugnisse waren,
hatten die lokalen Händler häufig bereits Kontakt zu
den Herstellern und nahmen Automobil-Kraftstoffe nun natürlich
gern in ihr Verkaufsprogramm auf.
Zu
Beginn des Ersten Weltkriegs gab es im damaligen Kaiserreich immerhin
schon rund 21.000 Krafträder, 55.000 Personenkraftwagen und
etwa 9.000 LKW. Immer mehr Zapfanlagen tauchten vor Läden,
Drogerien, Werkstätten und Gasthäusern auf, meist direkt
am Straßenrand auf dem Bürgersteig montiert. Die Idee,
Benzin mittels einer Handpumpe aus einem Vorratstank direkt in
den Tank des Fahrzeugs zu fördern, wird dem Amerikaner Sylvanus
F. Bowser zugeschrieben, der bereits 1898 mit der Vermarktung
solcher Zapfpumpen begann und in den Folgejahren zahllose Ideen
patentierte und verwirklichte. In den USA war das Automobil damals
dank Henry Ford und nicht zuletzt auch wegen der kriegsbedingten
Einschränkungen in Europa schon wesentlich verbreiteter und
damit einhergehend war natürlich auch die Entwicklung der
Zapfstellen dort der in Deutschland weit voraus.
Die deutsche Mineralölindustrie suchte nach dem Ersten Weltkrieg
und dem Ende der rationierten und kontrollierten Versorgung nach
neuen, besseren Vertriebswegen. OLEX, Vorläufer der deutschen
BP, plante und errichtete 1922 die ersten Tankhäuschen unter
dem neuen Namen "Tankstelle", darunter Anlagen in der
Kölner Sudermannstraße und am Raschplatz in Hannover.
Die kleinen, etwa 3,2m hohen Bauten beherbergten zwischen Fundament
und Fußboden einen Unterflurtank. Kompressor, Druckgasanlage
und 20l-Meßgefäß zur Kraftstoff-Förderung
und ein Vorrat an Schmierstoffen waren ebenfalls im Inneren des
Bauwerks untergebracht. Mit Übernahme der OLEX durch BP im
Jahr 1926 verschwanden diese eher exotischen Tankkioske wieder.
Im April 1923 (andere Quellen sprechen von 1924) folgte die DAPG
(Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft, später Standard
Oil und dann ESSO) mit einer ersten Bürgersteig-Tankstelle
vor der Drogerie R.Zippan in der Hamburger Wagnerstrasse, im selben
Jahr begann auch B.V. ARAL mit dem Aufbau eines Tankstellennetzes.
Leider ist in Deutschland kein Exemplar aus dieser Zeit bis heute
erhalten geblieben.
   
Mit der heutigen Tankstelle mit mehreren Zapfsäulen
und Überdachung hatten diese Tankanlagen noch nicht sehr
viel gemeinsam - diese, damals Großtankstelle genannte
Art wurde immer populärer. Sehr verbreitet waren noch bis
zum Beginn des Zweiten Weltkriegs Tankstellen, die an mehreren
Pumpen Benzin unterschiedlicher Marken aus separaten Zapfsäulen
anboten. Die erste markengebundene Großtankstelle entstand
wiederum 1927 in Hamburg (Hudtwalckerstrasse), gebaut und betrieben
von der DAPG. Sie verfügte über die wichtigsten Merkmale,
die auch heute noch gelten: Trennung vom Verkehr durch Zu- bzw.
Abfahrt, ein kleines Gebäude für Tankwart und Kundschaft,
eine Tankinsel mit Zapfsäulen, ein auf Stützpfeilern
montiertes Dach zum Schutz vor dem Wetter und eine auffällige,
beleuchtete Werbung. Die Entwicklung ging rasant weiter: Im
Jahr 1925 gab es in Deutschland etwa 950 Tank- und Zapfstellen.
Anfang der dreißiger Jahre kam es bei der DAPG bereits
zu einem ersten Redesign. 1932 verfügte alleine diese Gesellschaft
schon über mehr als 33.000 Zapfstellen, der Anteil an Großtankstellen
lag allerdings erst bei etwa ein Prozent (zum Vergleich: 40%
in den USA). Bis Anfang der vierziger Jahren kamen insgesamt
etwa 6.000 weitere Zapfstellen hinzu - alleine von dieser einen
Ölgesellschaft. B.V. ARAL hatte 1938 rund zehntausend Zapf-
und Tankstellen. 1939 gab es im damaligen deutschen Reich schließlich
insgesamt um die sechzigtausend Zapf- und Tankstellen unterschiedlichster
Größe - eine Zahl, die nie wieder erreicht wurde.
Im selben Jahr entwickelte das Schwelmer Eisenwerk Müller
& Co die erste deutsche vollautomatische Zapfsäule
mit Kolbenzähler und Rechenwerk.

Natürlich kam auch und gerade das nationalsozialistische
Vorzeigeprojekt "Reichsautobahn" nicht ohne eine entsprechende
Kraftstoff-Infrastruktur aus. Im Jahre 1936 entstand die erste
Reichsautobahn-Tankstelle an der Ausfahrt Darmstadt, fünfzehn
weitere folgten in nur dreizehn Monaten. Zunächst baute man
Tankstellen nur an bzw. in Ausfahrten, später auch an offener
Strecke. Ursprünglich war alle fünfundzwanzig Kilometer
eine Tank- und Rastmöglichkeit vorgesehen, doch dazu kam
es nicht. 1938 gab es an rund 3.500km Strecke gerade mal 67 Tankstellen,
viele davon waren allerdings eher einfache Bauten, manchmal nur
mit einem behelfsmäßigen Holzdach. Zum Vergleich: 1985
gab es 269 Autobahn-Tankstellen an insgesamt 8.198km Strecke.
Das Benzin lieferte die staatliche RAB-Kraftstoff-Gesellschaft.
Genau wie die Mineralölkonzerne wollte auch die "Gesellschaft
Reichsautobahn" den Tankstellenbau durch Typisierung rationeller,
schneller und günstiger machen. Man beauftragte bekannte
Architekten mit dem Entwurf entsprechender Anlagen, so z.B. Carl
August Bembe (Typ "Frankfurt"), Werner March (Typ "Hannover")
und Friedrich Tamms (Typ "Fürstenwalde"). Tamms
war im Brückenbau tätig und hatte zusammen mit Albert
Speer bereits am Bau der Reichskanzlei mitgewirkt. Die Entwürfe
hatten internationalen Standard und erscheinen für die Verhältnisse
der Nazizeit heute erstaunlich modern. So dauerte es auch nicht
lange, bis sie den NS-Ideologen negativ ins Auge stachen - das
Flachdach empfanden sie als zu amerikanisch, den Stil schlicht
nicht als "deutsch" genug. Das letzte bis heute erhaltene
Exemplar der drei genannten Typbauten ist vom Typ "Fürstenwalde"
und steht ebendort an der heutigen A12 im Dreieck der Auf-/Abfahrt.
Noch bis 1995 war diese Tankstelle in Betrieb, heute liegt sie
brach. Seit 1996 steht das Bauwerk unter Denkmalschutz und wurde inzwischen für rund € 112.000,- restauriert. Aufgrund der Lage ist die Tankstelle aber leider nicht erreichbar. Ob der Denkmalschutz auch bei einer Verbreiterung der A12 Vorrang behielte, bleibt abzuwarten.
Trotz Anschluß von Österreich, Erweiterung des "Reiches"
und Reichsautobahn und damit verbunden mehr Automobilen, handhabten
die Nationalsozialisten den Tankstellenbau sehr restriktiv, nur
noch wenige Baugenehmigungen wurden erteilt. Am 7.5.1937 wurde
schliesslich sogar eine entsprechende Gesetzesvorlage verabschiedet:
"Soweit Tankanlagen als bauliche Anlagen anzusehen sind
(...), sind sie so auszuführen, daß sie Ausdruck anständiger
Baugesinnung und werkgerechter Durchbildung sind und sich der
Umgebung einwandfrei einfügen". Der sogenannte "Heimatschutzstil"
sah schlichte, bodenständige Architektur unter Verwendung
regional typischer Baustoffe und -stile vor. Die nächste
Generation der Autobahntankstellen entsprach dann auch wesentlich
mehr den nationalsozialistischen Vorstellungen. Passend zum "Heimatschutzstil"
beschwor Hitler den "Mythos Reichsautobahn", plante
ein Streckennetz, das den Fahrzeuginsassen während der Reise
über die RAB möglichst viele und abwechslungsreiche
Aspekte des Landes zeigen und so das "Heimatgefühl"
stärken sollte. Der Kraftfahrer sollte sich auf der Autobahn
wohl fühlen, dazu gehörte auch ein gewisser Service,
elektrische Zapfsäulen, Toiletten und Erfrischungen - Bequemlichkeit
beim Tanken und Reisen. Die Tankwarte der Reichsautobahn-Tankstellen
wurden eigens an einer Tankwartschule in Michendorf ausgebildet,
um den Kunden eine gleichbleibend gute Dienstleistung bieten zu
können - "straffes und höfliches Auftreten"
war von oben gefordert. Beispiele erhaltener Reichsautobahn-Bauten
dieses späteren, konservativeren Stils finden sich bis heute
in Michendorf (Süd), Reinhardshagen und an einigen anderen
Stellen. Meist - und so auch in den beiden genannten Beispielen
- werden die ehemaligen Tankstellengebäude heute als Raststätte
genutzt.
Neben
den Tankstellen sollte die RAB auch ein Netz von Raststätten
säumen, die allesamt ebenfalls im genannten konservativen
Design erbaut wurden und deren Einrichtung eher an ein deutsches
Wohnzimmer als an ein Restaurant erinnerte. Auch hier stand der
"Heimatschutzgedanke" bei Planung und Ausführung
klar im Vordergrund. Die größte Raststätte, das
"Rasthaus Chiemsee" wurde dann aber - wie viele andere
- doch eher für kriegswichtige Zwecke eingesetzt: Im April
1940 wurde sie der Wehrmacht als Genesungsheim übergeben. 58 Jahre lang diente die Anlage US-Truppen als "AFRC Lake Hotel" zur Erholung, bis es am 2. September 2003 seine Pforten schloß. Heute gehört die Liegenschaft der Bundesrepublik und wird von Zeit zu Zeit für Veranstaltungen genutzt.
 
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs war natürlich
vorerst Schluß mit dem ungebremsten Wachstum, Mineralölindustrie
und -verkauf wurden nun staatlich kontrolliert und rationiert.
1941 kam die Umstellung auf Holzgas. Herkömmliche Kraftstoffe
waren von 1942 an exklusiv für militärische Zwecke
vorgesehen, Privatfahrzeuge mußten zwangsweise mit Holzgas
betrieben werden. An zweiundzwanzig RAB-Tankstellen wurde dementsprechend
nun statt Benzin nun auch Holz verkauft. Während des Krieges
waren die Tankstellen der Reichsautobahnen auch fest in den
Luftschutz eingebunden. Ab "Luftgefahr 15" gaben die
Autobahnmeistereien Meldung an Rasthäuser, Tankstellen
und Hilfsposten. Diese hatten daraufhin vorbereitende Maßnahmen
einzuleiten. Von alldem durfte der Autofahrer noch nichts mitbekommen,
um Stockungen des Verkehrs zu verhindern. Die Verkehrsteilnehmer
wurden erst bei akutem Fliegeralarm (entsprechend der Sirenenalarmierung
in den Städten) informiert. Bei Tage geschah dies durch
Aufziehen eines etwa zwei Meter hohen, aus einer Kugel mit darunterhängendem
Zylinder bestehenden, gelb-blau-gelben Warnkörpers an allen
Außenstellen, meist auf dem Mittelstreifen. Nachts erfolgte
die Signalisierung durch eine entsprechende gelb-blau-gelbe
Blinkleuchte. An Parkplätzen, Rasthäusern und Tankstellen
waren Deckungsgräben und Schutzräume vorhanden, die
dem Verkehrsteilnehmer Schutz bieten sollten.
Reklame für einzelne Marken - Anfang der
dreissiger Jahre natürlich noch durchaus üblich
- war vom NS-Staat schlicht unerwünscht und somit verboten.
Diese Einschränkung galt nicht nur für die Autobahnen.
Werbung, damals meist noch in Form von Emaille-Schildern,
war den Nazis generell ein Dorn im Auge und so waren auch
alle anderen Tankstellen und Werkstätten gezwungen, sich
in dieser Hinsicht "ordentlich deutsch" zu verhalten
und die Außenwerbung deutlich zu reduzieren. Mitte der
dreissiger Jahre wurden in NS-Literatur sogar entsprechend
"abstossende" Beispiele vorgeführt und verdammt.
Auch Anlagen im gemäßigten Art Deco - Stil waren
von nun an unerwünscht, die Nationalsozialisten empfanden
sie als Fremdkörper. Trotz alledem entstanden auch in
den dreissiger Jahrenin Deutschland architektonisch interessante,
wenn auch nicht immer ausgefallene Tankstellenbauten.
Als der Zweite Weltkrieg endlich vorüber war, waren schliesslich
etwa ein Drittel bis die Hälfte aller Tankstellen zerstört.
Kraftstoff blieb nach wie vor ein rares Gut und hauptsächlich
dem Militär vorbehalten - diesmal den Alliierten. Für
den Privatmann gab es Benzin nur auf Marken. Ab 1948 gab es
unter alliierter Kontrolle wieder Planungen für neue Tankstellennetze
der Mineralölindustrie. Zaghaft begann der Wiederaufbau,
Service war den Kunden nach wie vor wichtig und langsam wechselten
immer mehr Tankstellenbetreiber vom Nebenerwerb zum Hauptberuf.
Am 1. April 1951 wurde die Zwangsbewirtschaftung schließlich
aufgehoben, der freie Markt kehrte zurück und die Konzerne
begannen wieder wesentlich intensiver, am Ausbau ihrer Netze
zu arbeiten. Von nun an ging es rasant aufwärts, das Wirtschaftwunder
brachte auch in diesem Bereich satte Wachstumsraten. Die steigende
Zahl von Kraftfahrzeugen brachte die nötige Kundschaft
an die Zapfsäulen. 1950 gab es in Deutschland eine halbe
Million Autos, 1953 waren es schon 1,8 mal so viele wie vor
dem Krieg. 1960 fuhren 3,7 Mio. Kraftfahrzeuge auf Deutschlands
Straßen, 1970 bereits 13,5 Millionen - damals teilten
sich rein statistisch noch acht Personen ein Auto, heute kommt
eins auf zwei Einwohner.
Die
neu errichteten Nachkriegstankstellen orientierten sich stilistisch
zunächst noch an den Vorkriegsbauten, der amerikanische Einfluß,
besonders durch die Ölgesellschaften, setzte sich mit der
Zeit aber mehr und mehr durch. Mit dem ausufernden Heckflossen-Design
der späten fünfziger Jahre ging auch im Tankstellenbau
eine gewagtere Gestaltung einher. Vor allem die Dächer -
Anfang der sechziger Jahre meist aus Spannbeton, wurden immer
gewagter und ausgefallener. Trotz einer gewissen Normierung von
Seiten der Ölgesellschaften entstanden in diesen Jahren erstaunlich
viele unterschiedliche Ausführungen - ganz analog zur schnelllebigen
Modellpolitik der Automarken in den fünfziger, sechziger
und siebziger Jahren. Es war die Zeit des Wirtschaftswunders,
die Ära vor Flower Power - man gönnte sich wieder etwas.
Und das galt auch für triviale Angelegenheiten wie das Tanken
des eigenen Autos. Die Industrie hatte das längst erkannt.
Design, Auftritt, Service und auch das Angebot an immer "besseren"
Benzinmischungen waren die Anfänge des modernen Kraftstoff-Marketings.
Besonders in den Großstädten entstanden nun große,
neonstrahlende Tankanlagen, die den Kunden von der Straße
locken wollten.
Die Mehrzahl der Tankstellen, besonders in ländlichen Regionen,
blieb trotz allem eher einfach gestaltet: Zwei Zapfsäulen
und ein Ölschrank unter einem auf zwei Stahlrohr-Säulen
ruhenden Blechdach, ein kleines Tankwarthäuschen und eine
Leuchtreklame, das musste reichen
1995 gab es in Deutschland nur noch etwa 18.300 Tankstellen,
davon stammten nur rund 1.200 aus DDR-Zeiten. Leider wurden Tankstellen
als Bauwerk gerade in den letzten Jahrzehnten immer einförmiger
und langweiliger. Einen eigenen architektonischen Charakter haben
heute nur noch die wenigsten Stationen. Eigentlich schade.
Neben den wenigen, bereits weiter oben erwähnten, erhaltenen
Autobahn-Tankstellen der dreißiger Jahre gibt es vor allem
in eher ländlich geprägten Gebieten durchaus noch heute
sehenswerte Exemplare aus der Geschichte der Tankstelle zu finden.
Leider werden diese oft erhaltenswerten Bauwerke und Ensembles
nur recht selten unter Denkmalschutz gestellt, so daß wohl
ein erheblicher Teil in den kommenden Jahren und Jahrzehnten für
immer verschwinden wird. Einige Beispiele für besonders interessante
und/oder typische Exemplare haben wir hier zusammengetragen:
| Beispiele erhaltener historischer
Tankstellen |
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Wittenburg
Hier standen
- wie im ersten Jahrhundert-Drittel üblich - ursprünglich
nur Benzinpumpen unter freiem Himmel am Bordstein. Etwa
1935 wurde der noch heute unverändert vorhandene
Dach-Anbau mit dem Schriftzug des Lübecker Mineralölhändlers
"Boie" angebracht, erinnerte sich ein Nachbar.
Das Anwesen mit dem großen Wohn- und Geschäftshaus
von 1900 habe einst der Abdeckerei des Kreises gehört,
sei an Johannes Möller verpachtet worden und als
reguläre Tankstelle nur bis etwa 1944 in Betrieb
gewesen. Nach dem Krieg gehörte die Tankstelle zur
MTS (Maschinen- und Traktorenstation) Waschow, die dort
etwa 20 Jahre lang ihren einzigen Benzin-Lkw der Marke
ZIS aus sowjetischer Produktion betankte, bevor die Station
endgültig stillgelegt wurde. |
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Neugersdorf
Im Zentrum von Neugersdorf an der Schmiede gab es offenbar
bis irgendwann nach dem Zweiten Weltkrieg eine Zapfstelle.
Fast unglaublich: Hier steht noch heute eine alte Zapfsäule
der Firma "Benzol-Union Aral". |
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Grabow
Obwohl der Fotograf uns diese Bilder aus der Berliner Straße in Grabow mit der Bemerkung "Die ärmlichste Tanke Deutschlands" überließ, können wir ihm eigentlich nicht zustimmen. Interessant an ihr ist, daß sie eigentlich den ersten Tankstellen so sehr gleicht. In der Anfangszeit wurden die Pumpen - richtige Zapfsäulen waren es ja noch nicht - häufig vor Häusern oder Läden, direkt an der Straße aufgestellt, die Tankstelle im heutigen Sinn wurde erst später erfunden. Wer genau hinschaut, erkennt zwischen Kassenhäuschen und Haustür sogar noch ein Ölkabinett. Diese Zapfstelle war in den Siebzigern voll in Betrieb und blieb dies auch noch bis mindestens 1999. |
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Wolthausen
Ein wunderschön restauriertes Exemplar der frühen Tankstellen steht in dem kleinen Ort Wolthausen in der Nähe von Celle. Diese Zapfstelle gehörte zu einem Gasthof an der damals noch viel befahrenen Reichsstrasse 3 (heute B3) und trat dort wahrscheinlich die direkte Nachfolge des Hafer- und Wasserangebots an. Leider findet man so liebevoll erhaltene Bauten aus dieser Zeit nur noch selten. |
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Kamenz
Man würde
sich wünschen, daß mehr historische Tankstellen
so liebevoll restauriert werden wie dieses Exemplar in
Kamenz.. |
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Teterow
In Teterow
an der B104 Richtung Ortsausgang Malchin, ca. 100 m nach
dem Bahnübergang und ca. 800 m vor dem Ortsausgangsschild
steht diese interessante Zapfstelle, die wahrscheinlich
aus den dreißiger Jahren datiert. |
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Löbau
Diese Station befindet sich am Ortsausgang in Richtung
Görlitz an der Ortsumgehung über den Löbauer
Berg und wird noch für Pkw-Reinigungen benutzt. Auch
hier eine interessante und gut erhaltene Holz-Dachkonstruktion.
Eigentümer der Anlage war die Firma Minol bzw. später
Elf. |
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Buchenwald
An unerfreulicher
und auch ungwöhnlicher Stelle befindet sich die links
gezeigte Tankstelle - Sie gehörte zum Komplex des
Konzentrationslagers Buchenwald. |
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Herzberg
Diese sehr interessante, im landestypischen Stil errichtete
Station befindet sich an der Kirche auf der Straße
von Oranienburg nach Rheinsberg. Man beachte die Holzkonstruktion
der Überdachung, die heute so sicherlich nicht mehr
genehmigt würde. |
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Mirow
Diese Tankstelle
aus den Dreißigern steht in Mirow. Sie ist durch
den recht kleinen Gebäudeanteil ein durchaus interessantes
Beispiel. Sie entspricht dem sog. "Heimatschutzgedanken" und damit der Staatsarchitektur der Nationalsozialisten. |
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Unterlüß
Ein
typisches Design der dreißiger und vierziger Jahre
für die Firma Standard Oil (später ESSO). Wie
man sieht, wird diese Zapfstelle inzwischen privat genutzt. |
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Bischofswerda
Diese Tankstelle in Bischofswerda befand sich an der
B6 am Ortsausgang Richtung Dresden und wurde noch lange Zeit von
einem Autohandel als Stellfläche genutzt. Inzwischen mußte sie leider einem Einkaufsmarkt weichen.
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Dalberg-Wendelsdorf
In
diesem kleinen Ort bei Grevesmühlen finden sich die
Reste einer typischen Dorf-Tankstelle der dreißiger
Jahre. Wahrscheinlich handelte es sich zu dieser Zeit
um eine Shell-Station. Die Tanksäulen wurden, wie
es in ländlicher Umgebung sehr häufig der Fall
war, vom örtlichen "Kramladen" als Zusatzgeschäft
betrieben. Leider wurde das Vordach offenbar im Laufe
der Jahre gekürzt. |
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Behringersmühle
Diese Tankstelle in der Fränkischen Schweiz
gehört zu einem Autohaus und ist - wie auf dem Foto
erkennbar - noch heute in Betrieb.. |
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Uelzen
An dieser Zapfstelle
aus den dreißiger Jahren wurde bis zum Kriegsende
Benzin der Firma OLEX verkauft, danach war sie eine "Freie
Tankstelle". Sie befindet sich in Uelzen am Hammersteinplatz. Das Bauwerk wurde 2007 abgerissen.
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Wolfsburg
Ein Kleinod der Tankstellen-Architektur der Nachkriegszeit
stellt diese ESSO-Station dar. Errichtet wurde sie im
Jahr 1951, 1995 wurde sie restauriert und glücklicherweise
unter Denkmalschutz gestellt. |
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Köln-Deutz
Diese Station in Köln-Deutz, die sog. Arena-Tankstelle,
wurde 1959 von dem Kölner Architekten Herbert Baumann
für die Firma Shell entworfen und ist ein wunderbares
Beispiel für die ausgefallenen Dachformen dieser
Ära. 1973 wurde die Tankstelle geschlossen und stand
bis 1982 leer. Der bereits geplante Abriß wurde
durch den Denkmalschutz glücklicherweise verhindert,
die station aber inzwischen durch moderne Anbauten leider
mehr oder minder "verschandelt".Erfreulicherweise ist diese Tankstelle zur Jahrtausendwende restauriert worden und seitdem wieder im alten Glanz als "Esso"-Station in Betrieb.
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Süsel
Aus den sechziger oder siebziger Jahren datiert diese
Anlage in der Nähe von Scharbeutz.
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Giessen
In der Frankfurter Strasse im Stadtteil Klein Linden
steht diese Station aus den fünfziger Jahren. Es handelt sich um eine Standard-Tankstelle der Firma Caltex (California-Texas-Oil-Company). |
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Hannover-Badenstedt
Diese klassische fünfziger/sechziger-Jahre Standard-Tankstelle der Firma Caltex (California-Texas-Oil-Company) mit ihrem geschwungenen Dach findet man in der Empelder
Str./Ecke Burgundische Straße in Badenstedt. Heute
wird sie von einer Werkstatt genutzt.
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Adendorf
Im schönsten Spannbeton-Design erstrahlt diese freie
Tankstelle in Adendorf bei Lüneburg. Sie wurde 1955
erbaut und zunächst als BP-Station betrieben. Leider hat sie Mitte 2009 den Betrieb als Tankstelle eingestellt.
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Dresden
In Dresden befindet sich an der
Bautzener Straße eine denkmalgeschützte Tankstelle
aus dem Jahr 1925. Die kreisrunde Anlage ist immer noch
in Betrieb und wurde vor einigen Jahren restauriert. |
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Buelten
Diese Station in Buelten (Landkreis
Peine) wurde noch bis ins Jahr 2003 von einem Gebrauchtwagenhändler
benutzt. Dem Baustil nach muß sie in den sechziger
oder frühen siebziger Jahren errichtet worden sein. |
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Wehrsdorf
Die Tankstelle in Wehrsdorf befindet sich an der B98
im Dorfzentrum und wird noch von einem Zweiradhändler
als Werkstatt und Verkaufsraum genutzt. |
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Dollbergen
Diese schöne Tankstelle stammt
vermutlich aus den späten 50er Jahren und steht am
ehemaligen Ortsausgang von Dollbergen an einer Landstraße.
Dollbergen wird heute von einer Umgehungsstraße
umgeben, deshalb wurde diese Tankstelle aufgegeben. |
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Berlin,
Schlesische Straße
Bei dieser 1928/1929 nach einem
Entwurf der Architekten Max Pohl und Paul Schröder
erbauten Station auf der Lohmühleninsel handelt es
sich um Berlins älteste erhaltene Tankstelle. Sie
bot ihren Kunden als erste Tankstelle der Hauptstadt neben
Treib- und Schmierstoffen auch ein Restaurant und mehrere
kleine Läden - diese wurden während des
Zweiten Weltkriegs leider zerstört. 1998 wurde mit
dem Bau einer benachbarten, modernen Aral-Station der
Tankstellenbetrieb eingestellt, seitdem dient das Gebäude
als Café. |
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Kyritz
Das abgebildete Bauwerk dürfte vor der Wende wohl noch eine Zapfstelle der Firma MINOL gewesen sein. Obwohl sie von der Ästhetik her sicherlich eher in die Rubrik "Was der Sozialismus mit Phantasie produziert" einzuordnen ist, gehört sie der Vollständigkeit halber doch hierher. Letztlich liegt Schönheit ja im Auge des Betrachters. |
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Borna
Typische Tankszene an einer MINOL-Tankstelle in Borna, aufgenommen 1989. |
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Bühlen
1993 entstand dieses Foto einer MINOL-Kleintankstelle in Bühlen. Heute sind diese Mini-Stationen leider fast alle längst verschwunden. |
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Stauchitz Eine recht typische MINOL-Station der DDR-Benzinmarke. |
Quellen (Auszug):
- 1899-1999 - 100 Jahre RWE-DEA
- Erlebte Geschichte - Hundert Jahre Aral
- Von Anfang an alles Super - Pressemitteilung der Aral AG
- 100 Jahre - herausgegeben von der Esso AG
- Jahresringe - Jubiläumsmagazin der Mobil AG
- Deutscher Bundestag, Drucksache 10/6087
- Geschichte der Deutschen BP 1904-1979, F. Förster
- Super oder Normal, Bernd Polster
- Der Zivile Luftschutz im Zweiten Weltkrieg, Erich Hampe, 1963
- Zur Geschichte des Bautyps Tankstelle in Deutschland, J. Kleinmanns
- Hochbauten an der Bundesautobahn, dbz 2/1964
- Hochbauten der Reichsautobahn, Zentralblatt der Bauverwaltung,
Heft 11/12/1942
- Bauten für das mobile Zeitalter: Tankstellen und Autohäuser
des Hamburger Architekten K.Schneider, Magisterarbeit M.M.Blumenthal,
Hamburg 2004
- Bauen im Umfeld des Autos: Ein Jahrhundert Tankstellen, J. Kleinmanns
- Sechsstreifiger Ausbau der A 2 Ruhrgebiet- Berlin, Dokumentation
im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland
- Reichsautobahn - Pyramiden des Dritten Reichs, C. G. Philipp
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