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Bunker in Hamburg: OP-Bunker

Geschrieben von: Michael Grube   

Obwohl Krankenhäuser, Lazarette und Hospitale auch im Zweiten Weltkrieg unter besonderem Schutz durch die Genfer Konventionen standen, wußte man doch nicht, ob sich der Feind daran halten würde. Darüber hinaus hatte ein Luftalarm natürlich auch in den Kliniken Geltung und sämtliche Personen mußten sich in Luftschutzbunker oder andere Luftschutzräume begeben.

Um auch während der Bombenangriffe zumindest den nötigsten Betrieb aufrecht erhalten zu können, wurden in der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf bereits in den Jahren 1941/1942 verschiedene Bunker und Schutzräume errichtet - am Ende des Krieges gab es sechsundzwanzig Luftschutzbauten auf dem Gelände, weitere waren begonnen bzw. geplant. Bei den meisten handelte es sich um sog. Röhrenschutzräume, die teils unter-, teils oberirdisch angelegt waren und reine Schutzfunktion erfüllten. Daneben gab es auch spezielle Bauten wie OP-Bunker und eine verbunkerte Notaufnahme (den sog. Rettungsbunker).

Viele dieser Bunker sind noch heute erhalten. Die unterirdischen Röhrenschutzräume werden teilweise als Lagerraum genutzt, teilweise liegen sie brach oder sind im Laufe der Jahrzehnte verfüllt oder beseitigt worden. Noch vorhanden ist der oberirdische, ummauerte Röhrenschutzraum des Jungschwesternheims, der heute als Archivraum genutzt wird. Der Rettungsbunker an der Martinistraße, der durch einen unterirdischen Gang mit einem der OP-Bunker verbunden ist, wurde entfestigt und dient heute als Lager- und Betriebsgebäude.

Rettungsbunker UKE

Der OP-Bunker neben der Neurochirurgie wurde 1994/1995 für rund 1,6 Millionen DM saniert (besonders bezüglich der Sicherheit und des Brandschutzes) und mit einer modernen Klimaanlage versehen. Heute dient er dem Institut für Biophysik für Lehr- und Forschungszwecke.


OP-Bunker UKE

Der zweite, baugleiche OP-Bunker beherbergte auf sechs ober- und einem unterirdischen Stockwerk Operations- und Liegeräume, Behandlungs- und Untersuchungszimmer und verschiedene Labore.  Dieser siebenstöckige OP-Bunker ist heute noch relativ original erhalten und dient hauptsächlich als Lager und Archiv. Die medizinischen Einbauten sind allerdings schon lange nicht mehr vorhanden.

OP-Bunker UKE

Die OP- bzw. Entbindungsbunker beherbergten neben OP-Sälen und ggf. Kreißsaal auch  Röntgeneinrichtungen, Sterilisationsgeräte, je zwei Bettenstationen für frischoperierte Patienten und weitere medizinische Geräte.Neben dem Treppenhaus gab es bereits einen elektrisch betriebenen Aufzug. Durch einen eigenen Brunnen mit Vorratsbehälter, ein Luftfiltersystem, eine Kohleheizung und ein 1.000kVA Dieselaggregat (MAN/Siemens) war der Bunker praktisch vollkommen autonom zu betreiben. Ungewöhnlich waren die eingebauten Kohleöfen, die wahrscheinlich hauptsächlich zur Heißwasserbereitung für den medizinischen Betrieb vorgesehen waren.Die Gänge waren teilweise mit grün nachleuchtender Farbe gestrichen, um auch bei komplettem Stromausfall noch eine Orientierung zu erlauben. Überraschenderweise funktioniert dieser Anstrich noch heute - nach rund sechzig Jahren. Ein weiteres, interessantes Detail ist die 1,4m starke Betondecke, die von unten zusätzlich mit einer etwa 20cm starken Eisenträger-Lage verstärkt ist. Zeitweise waren im Keller des Baus anscheinend auch offizielle Stellen (Kreis-Stab etc.) untergebracht.

Eisenträger als DeckenverstärkungAufzugAufzug-Antrieb
WandbeschriftungUnterirdischer VerbindungsgangWandbeschriftung
DieselaggregatKontrolltafelWandbeschriftung

OP-Bunker Frauenklinik AltonaEin sehr ähnliches Objekt war der OP-Bunker der Frauenklinik Altona (heute Allgemeines Krankenhaus Hamburg-Altona). Das sechsstöckige Gebäude wurde in den Jahren 1940/1941 im Rahmen des "Führerbauprogramms" errichtet und beherbergte neben zwei Kreissälen zwei Operationssäle, einen Röntgenraum, Säuglings-, Liege- und andere Zimmer. Auch ein Hebammen-Raum, Toiletten und Betriebsräume waren natürlich vorhanden. Mit der Einrichtung konnte in den Bunkern unabhängig von einer Versorgung von außen auch während der Luftangriffe gearbeitet werden.

Mit einer Deckenstärke von 1,40m und 1,10m dicken Wänden erfüllte dieser Bunker, der nach Standardplänen des Hochbauamtes Hamburg errichtet wurde, die damals geforderten Voraussetzungen. Seine Aussenmaße (L x B x H): 15,5m x 15,5m x 22,5m. Die "Verwandtschaft" mit anderen Hamburger OP-Bunkern ist auch nicht zu leugnen, die Aufteilung ist z.B. der in Eppendorf sehr ähnlich. Wie dort gibt es auch in Altona neben dem Treppenhaus einen elektrisch betriebenen Aufzug, einen Brunnen, Heizung, Luftfilterung und Notstromversorgung. Verklinkert wurde der Bau allerdings nicht mehr, lediglich eine Tarnbemalung wurde aufgebracht.

EtagenflurDieselaggregatWerkstattHeizung
GasschleuseKesselraumZugangsklappeÜberdruckventil
ToilettenNotbatterieLüftungTreppenhaus
Schaltschrank 

Die medizinischen Einbauten sind komplett verschwunden, lediglich die Betriebsgeräte sind noch erhalten. Bis ins Jahr 2000 nutzte das AK Altona den Bunker als Archiv für Krankenakten, heute ist das Gebäude in Privathand. Im Sommer 2003 wurde der Bau entfestigt und mit vielen Fensteröffnungen versehen - heute dient er als Bürogebäude.

Insgesamt gab es allein in Hamburger sechs beinahe baugleiche OP-Bunker. Neben den oben genannten verfügten das AK Altona (Max-Brauer-Allee), die Frauenklinik Barmbek (Fuhlsbütteler Str.) und die Frauenklinik Finkenau über ähnliche Bauten. Das AK St. Georg besaß ebenfalls einen OP-Bunker, allerdings handelte es sich hierbei um einen zweietagigen, unterirdischen Schutzraum.

Der Verein Hamburger Unterwelten e.V. biete inzwischen Führungen durch den OP-Bunker Eppendorf an.

Quellen (Auszug):
- Sammlung K.Pinker,
- Bunker - Luftschutz und Luftschutzbau in Hamburg, Helga Schmal &Tobias Selke
- eigene Recherchen

 
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